Reisebranche: Neuer Großkonzern bedrängt TUI - DER SPIEGEL
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Reisebranche Neuer Großkonzern bedrängt TUI

Der größte europäische Reisekonzern TUI bekommt einen mächtigen Konkurrenten: Thomas Cook rückt mit der Übernahme des britischen Unternehmens MyTravel nah an den Marktführer heran. Die TUI-Aktie dreht ins Minus.
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Oberursel/London - Durch den Zusammenschluss von Thomas Cook und MyTravel entsteht ein Reisekonzern mit rund zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz. Das ist nur knapp weniger als beim Branchenprimus TUI, der in der Touristiksparte zuletzt 14 Milliarden Euro Umsatz erzielte. Die neue Mutter erhält den Namen Thomas Cook plc und wird ihren Sitz in London haben.

Die Börse reagierte auf die Nachrichten mit einem Kursplus für KarstadtQuelle  , den Mutterkonzern von Thomas Cook: Die Aktie legte um 3,9 Prozent zu. Dieses Niveau hatten die Aktien des Einzelhändlers zuletzt im Juni 2002 erreicht. Noch deutlicher war das Plus bei MyTravel  : Der Aktienkurs schoss im frühen Handel um 27,7 Prozent nach oben.

"Der Markt beurteilt die Übernahme positiv, weil sie nicht über neue Schulden finanziert wird", erläuterte ein Händler. Außerdem seien die zu erwartenden Einsparungen vielversprechend. Daher könne mit weiteren Karstadt-Kursgewinnen gerechnet werden.

Börsianer erwarten harten Wettbewerb mit TUI

In Bedrängnis geriet dagegen das Papier des Marktführers: TUI  -Aktien verloren zeitweise 1,9 Prozent. "Durch ein Zusammengehen von Thomas Cook und MyTravel könnte für TUI ein starker Wettbewerber entstehen", begründete ein Börsianer die Kursverluste.

Mit der Bekanntgabe der Fusion und dem geplanten Börsengang beendeten Thomas-Cook und MyTravel Spekulationen über die Übernahme des Pauschalreisegeschäfts vom Konkurrenten First Choice, an dem beide Interesse gezeigt hatten. Der Kurs von First Choice brach heute morgen um 13,8 Prozent ein.

Trotz des neuen Firmensitzes in London soll die bisherige deutsche Konzernzentrale von Thomas Cook in Oberursel offenbar unangetastet bleiben. Dies verlautete aus Branchenkreisen. "Da bleibt alles, wie es ist", hieß es. Bis Ende Juni soll die Fusion abgeschlossen werden. Die Kartellbehörden und die Aktionäre der börsennotierten MyTravel müssen aber noch zustimmen.

Thomas Cook wurde in den neunziger Jahren von Lufthansa   und KarstadtQuelle geschaffen, als der Charterflieger Condor mit dem Karstadt-Veranstalter Neckermann Reisen zusammengelegt wurde. Der traditionsreiche Name Thomas Cook wurde 2001 nach dem Kauf des gleichnamigen britischen Reisekonzerns für den Gesamtkonzern übernommen.

Ursprüngliches Konzept von Thomas Cook war es, "Urlaub aus einer Hand" anzubieten. So gehören zu dem Konzern außer Reiseveranstaltern auch Hotels, Flugzeuge und Reisebüros. Inzwischen ist der Vorstand jedoch vom "Ideal des integrierten Konzerns" abgerückt. So wurde das Management von Veranstaltern und Fluglinie selbstständiger. Die Zahl der Hotelbeteiligungen wurde verringert.

Seit vergangenen Freitag ist KarstadtQuelle alleiniger Thomas-Cook-Eigner. Der Warenhauskonzern übernahm wie geplant den 50-Prozent-Anteil der Lufthansa für 800 Millionen Euro.

Die Führung im Konzern übernimmt Karstadt

An dem nun entstehenden neuen Unternehmen haben sich KarstadtQuelle und die Tochter Thomas Cook nach eigener Darstellung die Führungsrolle gesichert. 52 Prozent der Anteile an der neuen Thomas Cook sollen in ihrem Besitz bleiben. Die übrigen 48 Prozent der Aktien sind für die Aktionäre von MyTravel vorgesehen. Mit dem Börsengang des fusionierten Unternehmens, der in London erfolgen soll, beendet die deutsche Thomas Cook auch Spekulationen über ihren alleinigen Börsengang, der frühestens für Ende des Jahres 2008 vorgesehen war.

Für eine Übergangszeit sollen Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa und MyTravel-Chef Peter McHugh die Führung der neuen Thomas Cook plc übernehmen. Der Posten des Finanzvorstands soll von einem KarstadtQuelle-Vertreter besetzt werden. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff vorgesehen, als Stellvertreter fungiert Michael Becket, der den Posten bislang bei MyTravel innehat.

wal/dpa-AFX/Reuters