Rekord-Plus bei Dow und Dax: Börsen feiern staatliche Rettungspläne - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rekord-Plus bei Dow und Dax Börsen feiern staatliche Rettungspläne

Kursrallye an den Weltbörsen: Die Wall Street schloss mehr als 11 Prozent im Plus, der Dow stieg um 936 Punkte - so stark wie nie zuvor an einem Tag. Auch der Dax legte in Rekordtempo zu. Die Märkte vertrauen offenbar in die staatlichen Krisenrettungspläne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/New York - In der letzten Handelsstunde legten die Kurse an der Wall Street noch mal richtig zu. Der Dow-Jones-Index   kletterte bis Börsenschluss um 11 Prozent auf 9387 Punkte - deutlich über der 9000-Punkte-Marke, ein Plus von 936 Zählern: der höchste Punktgewinn seiner Geschichte. Der technologieorientierte Nasdaq Composite   und der marktbreitere S&P 500   steigerten sich ebenfalls um rund elf Prozent auf 1844 beziehungsweise 1003 Punkte.

Allein der Dow machte damit einen großen Teil seiner 18 Prozent Verlust aus der vergangenen Woche wett. Dem Handel in den USA war eine Kursrallye an Europas Börsen vorangegangen. Der Dax  schloss mit 11,4 Prozent im Plus bei 5062 Punkten - prozentual der größte Tagesgewinn in der 20-jährigen Geschichte des deutschen Indexes. Der MDax  gewann 11,96 Prozent auf 5962 Zähler, der TecDax  13,14 Prozent auf 585 Punkte.

Börsianer in New York: Kräftiges Wachstum an der Wall Street

Börsianer in New York: Kräftiges Wachstum an der Wall Street

Foto: AP

Genau auf diese Reaktion der Börsen hatten die Regierungen der Industrienationen gehofft. Sie zeigt, dass auf den Märkten das Vertrauen in das Finanzsystem und die Politik wieder wächst. Die Reaktion sei das, was man sich vorgestellt und erhofft habe, sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Abend, als die ersten deutlichen Signale von der Wall Street kamen. Die Bewegung auf den Märkten zeige, dass die beschlossenen Krisenpläne wirken.

Die großen Industrienationen hatten sich am Wochenende auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Finanzkrise geeinigt. An diesem Montag wurden allein in Europa Sicherungspläne mit einem Volumen von über einer Billion Euro beschlossen, darunter das deutsche Hilfspaket über 500 Milliarden Euro und ein französisches über 360 Milliarden Euro. Die meisten Staaten, auch die USA, haben angekündigt, dem britischen Beispiel zu folgen und im Zweifelsfall sich an existenzbedrohten großen Geldinstituten direkt zu beteiligen. Diese Form der staatliche Existenzgarantie gilt als wichtige Zusicherung, um das wechselseitige Vertrauen der Märkte, Anleger und Kunden in die Stabilität des Finanzsystems zurückzugewinnen.

Paulson plant Großeinstieg in Finanzsektor

Auch die US-Regierung will auf diesen Kurs einschwenken. Finanzminister Paulson plant Zeitungsberichten zufolge die Übernahme von Bank-Anteilen im Wert von 250 Milliarden Euro.

Der Druck auf die Politik, ein umfassendes Hilfsprogramm zu beschließen, war in der vergangenen Woche gewachsen. Die Kurse an den Weltbörsen stürzten in Rekordtempo ab, der Dax um 22 Prozent, der Dow um fast ein Fünftel. Die Börse in Tokio erwischte es mit einem Minus von fast 25 Prozent besonders schlimm; sie war an diesem Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

Ob nun der Tiefpunkt überwunden ist, darauf wollen sich die Börsenexperten nicht festlegen. Denis Amato von Ancora Advisors sagte nach Handelsschluss an der Wall Street, für eine Aussage darüber sei es trotz der deutlichen Gewinne am Montag Tag zu früh. Weil die US-Anleihenmärkte und die Banken wegen des Columbus Day geschlossen hatten, sei es schwierig für die Anleger, die Reaktionen der Kreditmärkte auf die jüngsten Hilfsmaßnahmen der Industriestaaten abzuschätzen.

In New York profitierten gerade Banken stark von der Kursrallye. Morgan-Stanley-Aktien   schossen um 87 Prozent auf 18,10 US-Dollar nach oben, nachdem die japanische Großbank Mitsubishi UFJ Holdings (MUFG) nun doch bei der US-Investmentbank einsteigt und ihr so zu Hilfe kommt. Wegen des Kursverfalls der Morgan-Stanley-Papiere in den vergangenen Tagen erhalte man jetzt bessere Konditionen, teilte MUFG mit - sie sichert sich für neun Milliarden Dollar rund 21 Prozent an Morgan Stanley.

Aktien der Citigroup   legten um 12 Prozent auf 15,75 Dollar zu, die der Bank of America   um 9 Prozent auf 22,79 Dollar. Wachovia   und Wells Fargo profitierten von der Übernahmeerlaubnis der US-Notenbank; die Aktien stiegen um 14 respektive 7 Prozent. Wells Fargo will Wachovia per Aktientausch im Wert von rund 15 Milliarden Dollar kaufen und damit in die Spitze des US- Privatkundengeschäfts aufrücken. Wachovia hatte sich in der Finanzkrise massiv verspekuliert und steht vor weiteren hohen Milliardenverlusten.

Auch Autobauer gehörten zu den Gewinnern. Ford-Aktien   legten um 20 Prozent auf 2,39 Dollar zu, auch wegen der Entscheidung, dass der bisherige Europa-Chef Lewis Booth den Posten von Ford-Veteran Don Leclair übernimmt. Aktien von General Motors   schlossen 33 Prozent höher; eine Reaktion auf Berichte, denen zufolge der größte US-Autokonzern einen Kauf des Konkurrenten Chrysler erwägt..

Auch in Deutschland waren es vor allem die zuletzt arg gebeutelten Finanzaktien, die sich erholten. Papiere des in den vergangenen Wochen zweimal vor dem Zusammenbruch geretteten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate   (HRE) schossen mit einem Kursplus von mehr als 40 Prozent am stärksten hoch. Die Aktie hatte angesichts des Überlebenskampfes der HRE seit Ende September 69 Prozent an Wert verloren. Die Aktie der Commerzbank   kletterte um 14,8 Prozent auf 11,14 Euro hoch, die der Deutschen Bank   um 12,1 Prozent auf 35 Euro.

Auch Papiere der Autobranche, die in den vergangenen Tagen angesichts der zunehmenden Absatzprobleme der Hersteller in den Keller gedrückt wurden, gingen deutlich auf Erholungskurs. Daimler-Aktien   stiegen um 16,1 Prozent auf 26,20 Euro, BMW   um 11,3 Prozent auf 21,85 Euro.

kaz/dpa/AP/Reuters/AFP