Rekordniveau Energiekosten steigen weiter
Wiesbaden - Die Energiekosten der Haushalte sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts in den vergangenen sechs Jahren um insgesamt 55,2 Prozent gestiegen. Dabei unterscheiden die Statistiker zwischen zwei Preisschüben. So stiegen die Heiz- und Stromkosten sowie die Ausgaben für Benzin im Zeitraum von 2002 bis 2006 um rund 28 Prozent. Bei gleichem Energieverbrauch kamen bis Juli 2008 weitere 21 Prozent hinzu, errechneten die Statistiker.
Die erhöhten Energiekosten setzten sich aus zwei Komponenten zusammen: Für Wohnenergie mussten die Verbraucher 55,7 Prozent mehr zahlen, Kraftstoffe kosteten 54,4 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren.
Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht abzusehen: Am gestrigen Montag kündigte der Energieversorger EnBW an, die Gaspreise um mindestens ein Fünftel zu erhöhen. Der Karlsruher Energiekonzern begründete dies mit den gestiegenen Rohölpreisen, an die der Gaspreis gekoppelt ist. Zuvor hatten bereits Energieriese RWE und zahlreiche weitere Anbieter die Preise für Energielieferungen erhöht. Bei RWE steigen die Gaspreise zum 1. September um 25 Prozent.
Laut dem Verbraucherportal Toptarif müssen die Verbraucher in den kommenden Monaten mit weiteren Preissteigerungen rechnen. Die Tarifexperten gehen davon aus, dass 110 weitere Energieversorger die Gaspreise heraufsetzen werden - teilweise um mehr als 20 Prozent. Noch nie seien die Gaspreise so stark gestiegen wie in diesem Sommer, teilten die Experten mit.
Angesichts der massiv steigenden Gas- und Strompreise fordern Verbraucherschützer nun die Politik zum Einschreiten auf. "Wenn der Markt nicht funktioniert, muss die Politik einsteigen", sagte Evelyn Keßler, Sprecherin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Entwicklung im Energiebereich erscheine zunehmend willkürlich und sei nicht mehr nachvollziehbar. "Das riecht nach allem, nur nicht nach Markt", so Keßler. Außerdem wollen die Verbraucherschützer ein Eingreifen des Kartellamts erwirken. Sie forderten die Behörde auf, die Preise der Gasversorger zu überprüfen.
msm/Reuters/AP/dpa