Rekordstand Euro springt erstmals über 1,60 Dollar
Frankfurt am Main - Noch nie war der Euro mehr wert: Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Nachmittag zum ersten Mal bei 1,6002 Dollar. Es war allerdings nur ein kurzer Höhenflug - nachdem der Euro den Rekord markiert hatte, fiel er wieder zurück und notierte zuletzt um 1,5980 Dollar.
Der Euro ist in der Vergangenheit beständig gestiegen - der Dollar hat hingegen zunehmend an Wert verloren. Ursachen sind die Schwäche der US-Konjunktur und die vergleichweise niedrigen Zinsen in den Vereinigten Staaten. Das macht Anlagen im Euro-Raum attraktiver.
Analysten zufolge deuten jüngste Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber und Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer zudem darauf hin, dass schnelle Zinssenkungen der Währungshüter trotz getrübter Konjunkturaussichten endgültig vom Tisch sein dürften. Grund sei die anhaltend hohe Inflation im Euroraum, die im März auf einen Rekordwert von 3,6 Prozent gestiegen war.
Während die US-Notenbank wegen der schweren Immobilienkrise und der deutlichen Konjunkturabkühlung den Leitzins in mehreren Schritten auf 2,25 Prozent gesenkt hatte, lockerte die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel bisher nicht. Der Leitzins steht seit vergangenem Sommer bei vier Prozent. Im März stieg die Inflation im Euro-Raum auf 3,6 Prozent. Sie liegt damit deutlich über der von der EZB als Preisstabilität definierten Marke von knapp zwei Prozent. Unterdessen äußern deutsche Spitzenmanager zunehmend die Befürchtung, der starke Euro werde zu Wettbewerbsnachteilen für die heimische Wirtschaft führen.
Auch beim Öl ist ein Ende der Preisrallye nicht in Sicht: Seit Tagen markiert der Ölpreis regelmäßig neue Höchststände. Ein Barrel US-Leichtöl kostete im Handel an der New Yorker Rohstoffbörse zwischenzeitlich 118,05 Dollar. Experten machten die zuletzt starke Nachfrage aus den Boomregionen Asiens für den neuen Höhenflug verantwortlich.
An den Börsen machte zudem die Angst vor Versorgungsengpässen die Runde. Meldungen über einen Angriff auf einen japanischen Tanker und Rebellen-Attacken auf Ölpipelines in Nigeria befeuerten den Preis zusätzlich. Die Internationale Energieagentur (IEA) schließt eine globale Rezession nicht mehr aus.
sil/dpa/AP/Reuters