Rekordverlust: Opel zieht die Notbremse - DER SPIEGEL
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Rekordverlust Opel zieht die Notbremse

Der Automobilbauer Opel hat den höchsten Verlust der Firmengeschichte eingefahren. Jetzt muss Opel-Chef Carl-Peter Forster das geplante Sanierungsprogramm beschleunigen: Den Mitarbeitern stehen Nullrunden, die Streichung des Weihnachtsgelds und weitere Sparmaßnahmen bevor.
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Frankfurt am Main - Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich die Lage der deutschen Tochter von General Motors (GM) nochmals dramatisch verschlechtert. Das Unternehmen schloss mit einem Rekordverlust im Autogeschäft von 674 Millionen Euro ab. Der Betriebsverlust lag bei 502 Millionen Euro.

Den höchsten operativen Verlust in der mehr als hundertjährigen Unternehmensgeschichte begründete Opel-Chef Carl-Peter Forster mit zu hohen Struktur-, Vertriebs- und Verwaltungskosten. Darüber hinaus hätten Überkapazitäten und die Verschiebung der Modellpalette zu kleineren Fahrzeugen das operative Ergebnis verschlechtert. Forster erwartet auch für das laufende Jahr rote Zahlen. Erst 2003 peile man wieder ein ausgeglichenes Ergebnis an, so der Opel-Chef.

2001 ist der Marktanteil von Opel in Deutschland erstmals unter die Marke von zwölf Prozent abgerutscht. In Westeuropa kam die Marke Opel zusammen mit der englischen Schwestergesellschaft Vauxhall auf einen Anteil im Pkw-Geschäft von 10,3 Prozent.

Betriebsrat droht mit Streiks

Opel plant nun, den Abbau von Arbeitsplätzen zu beschleunigen. 2500 Stellen sollen möglichst noch im laufenden Jahr gestrichen werden, kündigte Forster am Mittwoch an. Ursprünglich war für den Stellenabbau ein längerer Zeitraum bis 2003 vorgesehen.

Nach Angaben des Bochumer Betriebsratschefs Peter Jaszczyk habe der Vorstand für die Jahre 2002 und 2003 Nullrunden bei Löhnen und Gehältern verlangt. Ferner solle das Weihnachtsgeld von 100 auf 55 Prozent gekürzt werden, das Jubiläumsgeld für langjährige Mitarbeiter solle entfallen.

"Das geht an den Nerv. Das machen wir nicht mit. Da ist bundesweit Ärger vorprogrammiert bis zum Streik", meinte Jaszczyk. Forster erklärte, der Wegfall einer Produktionsschicht im Bochumer Werk solle vom August in den Mai vorgezogen werden. Das Maßnahmenpaket, das aktuell geprüft werde, reiche von Vorruhestandsregelungen und Abfindungsprogrammen bis zu Konzepten zur Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Opel hat ein Qualitätsproblem

Nach Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer muss Opel sein Image aufpolieren. "In den vergangenen Jahren wurde bei Opel zu wenig in die Qualität und in das Erscheinungsbild der Produkte investiert", sagte der Leiter der Forschungseinrichtung Center of Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Dadurch habe die General-Motors-Tochter gegenüber Mitbewerbern wie VW sehr viel Terrain verloren.

Bei neuen Modellen habe es zu wenig technische Innovationen gegeben. Stattdessen habe Opel versucht, die Kunden durch Rabatte zu locken. "Diese Art der Verkaufsförderung trägt jedoch auf Dauer nicht", kritisierte der Experte für Automobilmarketing. Vielmehr habe das Image von Opel in den Augen der Verbraucher dadurch an Wert verloren. Dazu beigetragen hätten auch große Preisspannen in Europa: "Manche Opel-Modelle sind in Finnland bis zu 50 Prozent preiswerter als in Deutschland." Dies sei den Verbrauchern kaum zu vermitteln.