Renault-Sparprogramm Die französische Revolution
Paris - Der Renault-Chef, einst hoher Beamter in der französischen Regierung, hat in den letzten Jahren einiges geleistet. Er trieb den Umbau des Konzerns vom trägen Staatsunternehmen zu einem der führenden europäischen Autokonzerne voran. Nicht zuletzt, indem er die Kooperation mit den Japanern von Nissan forcierte.
Branchenexperten und Renault-Managern aber ist gleichermaßen klar: Schweitzer muss noch mehr Gas geben, soll das Unternehmen seine Eigenständigkeit bewahren. Der Renault-Chef selbst gab nun im Interview mit der "Financial Times" bekannt, er wolle den Sparkurs verschärfen. Nur so lasse sich das Ziel erreichen, bis 2004 jährlich eine Milliarde Euro an Kosten zu eliminieren.
Schrumpfkur für das Händlernetz
Der wichtigste Einschnitt: Die Zahl der Renault-Vertragshändler in Europa solle bis 2004 von heute 1900 auf 800 schrumpfen. Für Deutschland heißt das: Die Zahl der Renault-Händler, die direkte Verträge mit Renault abschließen, solle bis 2005 von 640 auf rund 250 sinken, sagt Martin Zimmermann, Leiter der Renault-Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Zahl der Verkaufsstellen - zurzeit sind es 1450 - solle aber konstant bleiben. Zumindest gebe es keine offiziellen Vorgaben für eine Reduktion.
Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass einzelne Händler aufgäben, etwa aus Altersgründen. Genauso gut aber könnten die Sub-Händler Partnerschaftsverträge mit den Haupthändlern abschließen. Ebenfalls möglich sei, dass unabhängige Händler fusionieren. Die generelle Vorgabe des Renault-Hauptquartiers: Es ist zwecklos, in einem Großraum wie Köln mehrere Vertragshändler zu unterstützen. Die Gespräche über diese Straffung des Netzes seien bereits "sehr weit" fortgeschritten, so Zimmermann.
Das Land wird benachteiligt
Beim Verband der Renault-Händler Deutschlands in Köln hält man sich mit Kritik zurück. Die Devise: Es hätte schlimmer kommen können. Andere Autokonzerne hätten pauschal alle Verträge mit ihren Händlern gekündigt und damit ungleich mehr Druck ausgeübt, sagt Andrea Weiß, Rechtsanwältin beim Verband. Gleichwohl wäre man natürlich glücklicher, wenn Renault die bisherige Händlerstruktur unangetastet gelassen hätte.
Kritik üben die Renault-Händler am Detail: Die Verschmelzung von bisher selbständigen Verkaufsstellen bringe vielerlei rechtliche Probleme mit sich. Für den ländlichen Raum sei die Konzentrationsstrategie ohnehin ungeeignet. "Es ist nicht sinnvoll, Händler zu fusionieren, die 60, 70 Kilometer auseinander liegen." Hier müsse Renault seine Strategie überdenken oder ihre Umsetzung verzögern.
Zu alt, zu unattraktiv
Allein die Neu-Fokussierung des Händlernetzes indes wird nicht reichen, um den Renault-Motor wieder auf Touren zu bringen. Die Branchenanalysten von Morgan Stanley schätzen, dass der Vorsteuergewinn des Konzerns 2001 - für deutsche Autobauer ein Rekordjahr - auf 667 Millionen Euro gefallen ist, nur etwas mehr als ein Drittel des Vorjahreswertes.
Ein Grund für die Schwindsucht der Profite: Die Renault-Modellpalette gilt als unattraktiv und veraltet. Das bejahrte Kompaktmodell Megane etwa ist für rund 40 Prozent der Gewinne verantwortlich. Auch beim Scenic sinken die Umsätze.
Schweitzer plant deshalb, die Entwicklungszeiten für neue Modelle drastisch zu verkürzen - von derzeit fast drei Jahren auf 28 Monate. Die Lagerzeiten sollen sinken, die Logistik noch einmal gestrafft werden. Schon aber wird gemunkelt: Carlos Ghosn, derzeit Sanierer bei der Beteiligung Nissan, könnte Schweitzer bald beerben. Und beim Sparen noch einmal ein, zwei Gänge hochschalten.