Renditemonat Mai: Tipps für Dividendenjäger - DER SPIEGEL
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Renditemonat Mai Tipps für Dividendenjäger

21 Milliarden Euro schütten Dax-Konzerne 2006 an Aktionäre aus, die meisten überweisen das Geld in den nächsten vier Wochen. Ein Vergleich von Dividenden-Strategien zeigt, wie man seine Rendite maximiert - und vermeidet, auf Scheinriesen wie die Telekom reinzufallen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wir werden sie in den kommenden Wochen noch öfter hören, diese abgedroschene Börsenweisheit, dass man im Mai seine Aktien verkaufen soll. Für die These spricht, dass nach drei Jahren Aktienrally in den kommenden Monaten sicherlich der eine oder andere Rücksetzer kommen wird und die Sell-in-May-Schlaumeier dann laut "Siehste" rufen werden. Doch es gibt viele Gründe, die gegen einen Verkauf im Mai sprechen.

Nicht nur, dass Aktienverkäufer im Mai 2005 eine großartige Sommerrally verpasst hätten. Gegen die Regel spricht vor allem, dass die meisten Dax-Unternehmen dank rigider Spar- und rabiater Entlassungsprogramme wieder glänzend verdienen - und einen Großteil dieser Gewinne im Wonnemonat Mai ausschütten.

Rund 21 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor, reichen die 30 Dax-Unternehmen in Form von Dividenden an ihre Aktionäre weiter. Das sind rund 45 Prozent mehr als im Vorjahr und etwa 35 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2000. Acht Dax-Unternehmen haben bereits gezahlt, doch zwischen 29. April (Bayer  ) und 2. Juni (Deutsche Bank  ) werden 22 Dax-Unternehmen Geld an ihre Aktionäre überweisen. Wer wann wie viel auszahlt und welche Dividendenwerte derzeit besonders attraktiv sind, zeigt folgende Tabelle.

Maitage sind Zahltage

Maitage sind Zahltage für deutsche Aktionäre. Anhand der zu verteilenden Milliarden stehen verschiedene Modelle zur Auswahl, um bestmöglich von Dividendentiteln zu profitieren. Dividendenrendite, Kontinuität und Dynamik der Ausschüttung spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Vergleich zwischen Deutschland und Europa.

Zunächst das Technische: Da Dividenden in der Regel am Tag nach der Hauptversammlung gezahlt werden, sollte die ausgewählte Aktie spätestens am Tag der HV gekauft und frühestens einen Tag nach dem Aktionärstreffen verkauft werden. Da die Aktie am Tag der Dividendenzahlung jedoch "ex Dividende" gehandelt wird, die gezahlte Dividende also vom Aktienkurs abgezogen wird, sollten Dividendenjäger dem Papier schon ein wenig Zeit geben, um den Dividendenabschlag wieder einzuspielen. Sonst droht ein Nullsummenspiel mit steuerlichen Nachteilen, da Dividendeneinkünfte, die oberhalb des Freibetrages von 1370 Euro liegen, wie andere Kapitalerträge auch nach dem Halbeinkünfteverfahren versteuert werden müssen.

Scheinriesen E.on, Telekom und TUI

Wer sich auf den Dax beschränken und kurzfristig eine hohe Rendite erzielen will, sollte die Unternehmen mit der aktuell höchsten Dividendenrendite (Ausschüttung mal 100 geteilt durch aktuellen Börsenkurs) herausfiltern. Der Energieversorger E.on   ist aktuell mit 7,2 Prozent Dividendenrendite Spitzenreiter, da das Unternehmen am 5. Mai neben einer regulären Dividende von 2,75 Euro eine Sonderdividende von 4,25 Euro aus dem Degussa  -Verkauf ausschütten wird.

Es folgen die Deutsche Telekom   (5,2 Prozent), TUI   (4,5 Prozent), die Deutsche Lufthansa   (3,5 Prozent) und die Deutsche Post   (3,2 Prozent) - der Stahlkonzern ThyssenKrupp   (3,6 Prozent) und der Autobauer DaimlerChrysler   (3,2 Prozent) haben ihre Dividenden für das abgelaufene Geschäftsjahr bereits ausgeschüttet. Diese Unternehmen bieten derzeit mit ihren Ausschüttungen jeweils eine höhere Rendite als eine Bundesanleihe mit einem Jahr Restlaufzeit.

Aber Vorsicht: Die Telekom kommt vor allem deshalb auf eine Top-Rendite, weil der Aktienkurs seit Anfang 2005 um rund 20 Prozent eingebrochen ist. Für T-Aktionäre, die auf diese Weise inmitten des Börsenbooms Geld verloren haben, sind fünf Prozent Dividendenrendite ein schwacher Trost.

Spitzenreiter E.on wird schon im kommenden Jahr ohne die Sonderdividende auf Normalmaß schrumpfen, obwohl auf Grund der extrem gestiegenen Energiepreise eine gute Basis für weiter steigende Gewinne gelegt ist. Und TUI? Der Reisekonzern hat zwar seinem Top-Management üppige Gehaltssteigerungen spendiert, die Dividende aber unverändert gelassen. Grundsätzlich ist Vorsicht angebracht, wenn Dividenden nicht aus steigenden Gewinnen, sondern aus der Substanz finanziert werden - dies stellt zwar Aktionäre kurzfristig zufrieden, kostet aber in der Zukunft.

EuroStoxx50 attraktiver als Dax

Trotz der Rekordausschüttung in diesem Jahr sind die Dax-Unternehmen im europäischen Vergleich immer noch recht geizig. Während der Dax   auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,5 Prozent kommt und damit das Zinsniveau eines ordentlichen Tagesgeldkontos erreicht, bringen es die im EuroStoxx 50   gelisteten Werte auf eine durchschnittliche Rendite von 3,1 Prozent.

Spendabelster europäischer Dividendenzahler ist der spanische Energieversorger Endesa  , der sich durch Zahlung einer Sonderdividende vor einer Übernahme durch E.on schützen will. Es folgen E.on, der italienische Versorger Enel   sowie die Deutsche Telekom und France Telecom  , die alle eine Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent bieten. Versorger und Telekom-Unternehmen sind für Dividendenjäger in Europa damit die attraktivsten Branchen.

Ausschüttung verdoppelt - nicht immer freiwillig

Anleger könnten anhand der Dividenden-Tabelle auch diejenigen Werte herausfiltern, die ihre Ausschüttungen im Vergleich zum Vorjahr am stärksten gesteigert haben. 25 der 30 Dax-Konzerne haben ihre Dividende für 2005 angehoben, während Adidas  , DaimlerChrysler  , Metro   und TUI   die Ausschüttung jeweils unverändert lassen. Beim Chiphersteller Infineon  , der seinen Aktionären erneut eine Nullrunde verordnet, ist seit Jahren ohnehin nichts zu holen.

Vier Dax-Unternehmen haben dagegen ihre Dividende mindestens verdoppelt. Commerzbank  , Deutsche Börse  , E.on   und Hypo Real Estate   bieten Dividendensteigerungen zwischen 100 und 200 Prozent. Bei der Deutschen Börse   ist die von 0,70 auf 2,10 Euro verdreifachte Auszahlung jedoch auf den Druck von Hedgefonds zurückzuführen, die gleichzeitig auch Börsenchef Werner Seifert und Aufsichtsratschef Rolf E. Breuer aus den Ämtern gedrängt haben - ob die Deutsche Börse unter neuer Regie auch die Gewinne ähnlich stark steigern und in eine glückliche Ehe mit der Vierländerbörse Euronext geführt werden kann, bleibt offen.

Der Kick der Kontinuität

Traumhafte Dividendenrenditen können also auch Kursstürzen oder einem Angriff von Heuschrecken geschuldet sein - und ebenso rasch wieder verfliegen wie ein böser Traum. Anleger mit vorsichtiger Natur sollten daher eher auf ein "Nachhaltigkeitsmodell" setzen, empfiehlt Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Im "Nachhaltigkeitsmodell" kommen diejenigen Unternehmen zum Zug, die aktuell eine attraktive Dividendenrendite bieten und bei denen gleichzeitig eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Dividende konstant bleibt oder weiter steigt. Gewinnwachstum, Gewinnstabilität, Bonitätsranking, Dividendendeckung und die Dividendenhistorie der vergangenen zehn Jahre werden in diesem Modell ebenfalls berücksichtigt.

Vor dem Hintergrund dieser Methode empfiehlt die LBBW als attraktivste Dividendenwerte die Energiekonzerne RWE   und E.on  , die Deutsche Telekom  , die Deutsche Post   sowie den Chemiekonzern BASF  . Die Telekom, so die These der LBBW, dürfte für das laufende Geschäftsjahr ihre Dividende sogar auf einen Euro pro Aktie steigern und käme damit bei aktuellem Kurs von 13,60 Euro auf eine erwartete Dividendenrendite für 2006 in Höhe von 7,5 Prozent.

Mit Blick auf den EuroStoxx50 empfiehlt die Landesbank neben der deutschen RWE   den italienischen Versorger Eni, das französische Kreditinstitut Société Générale   sowie die niederländische Bank ABN Amro   als langfristig attraktivste Dividendenwerte.

Schutz in schwachen Märkten

Dividendenstarke Unternehmen seien auch dann eine gute Wahl, wenn die Märkte nach mehreren Boomjahren einen Gang zurückschalten, argumentiert Schallenberger. Ein Konzern, der auf Grund einer stabilen Gewinnsituation kontinuierlich eine attraktive Dividende zahle, zeichne sich auch in mageren Börsenjahren durch relative Stärke aus. Somit gelten sie als defensives Papier.

Doch auch an Boomphasen haben dividendenstarke Unternehmen einen maßgeblichen Anteil. Der Dax   hat seit seinem Start bei 1000 Punkten im Jahr 1998 inzwischen knapp 5000 Punkte zugelegt - knapp 2000 Punkte kamen allein durch die ausgezahlten Dividenden zustande, die in den Performance-Index eingerechnet werden. Das bedeutet, dass rund 40 Prozent der Dax-Performance seit 1998 auf Dividendeneffekte zurückzuführen sind, so Schallenberger.

Wer sich seit 2004 lediglich auf die 15 stärksten Dividendenzahler im Dax konzentrierte, hat in den vergangenen zwei Jahren mit mehr als 50 Prozent Rendite deutlich besser abgeschnitten als der Käufer eines Dax-30-Zertifikats (plus 40 Prozent). Es lohnt sich also langfristig, ausschüttungsstarken Titeln auch über den Monat Mai hinaus treu zu bleiben - man muss sich ja nicht auf den Dax und auch nicht auf die Scheinriesen beschränken.

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