Rentenfonds: Am Boom vorbei gespart - DER SPIEGEL
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Rentenfonds Am Boom vorbei gespart

Deutschlands Anleger bleiben vorsichtig. Im vergangenen Jahr haben sie ein Milliardenvermögen in Rentenfonds gesteckt – und auf das falsche Investment gesetzt. Wer auf den boomenden Aktienmarkt vertraute, konnte das 20fache verdienen.
Von Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Rentenfonds sind der Favorit für deutsche Anleger. In den vergangenen zwölf Monaten investierten die Bundesbürger das Rekordvolumen von nahezu 31 Milliarden Euro in neue Euro-Rentenfonds-Anteile. In Aktienfonds steckten die Deutschen Sparer nicht annähernd so viel - dabei verzeichnete gerade der deutsche Aktienmarkt einen Boom wie seit Jahren nicht mehr. Und nicht der Bondmarkt. Wer sich dennoch für den Kauf von Rentenfondspapieren entschied, zahlte in den vergangenen zwölf Monaten zumeist entsprechend drauf.

Zuletzt stellten nur Schwellenlandinvestoren fest, dass ihre Rentenfonds selbst zu Minizinszeiten attraktive Erträge erwirtschaften. Ihre Geldanlagen legten auf Jahressicht im Schnitt 12,2 Prozent an Wert zu, hat der Fonds-Lobbyverband Investment und Asset Management errechnet. Allerdings erkauften diese Rentenfondsinvestoren ihren Erfolg mit einem gehörigen Investitionsrisiko.

Denn nicht immer zahlen die Schwellenlandregierungen das geborgte Anlegergeld pünktlich oder vollständig zurück. Der Zinskick spiegelt somit das Risiko wider, das Fondsmanager im Auftrag ihrer Kunden mit dem Handel solcher Anleihen eingehen. "Manche dieser Zinsfonds sich nicht sicher, sondern sehr riskant", sagt deshalb "Finanztest"-Expertin Karin Baur.

Deutlich schlechter als für die Schwellenland-Rentenfondsanleger lief es in den vergangenen zwölf Monaten für Zinssparer, die für Fondsinvestments in Anleihen erstklassiger Bonität entschieden haben. Sie mussten sich zwar auch in dieser Jahresfrist keine Sorgen um die Rückzahlung ihres Anlagebetrags machen, und auch die Zinsschecks kamen bei den Fondsexperten wie erwartet pünktlich an. Doch dafür blieb diesen Fondsanlegern unter dem Strich nur ein mickriger Anlageerfolg übrig.

Euro-Rentenfondsmanager erwirtschafteten in den zwölf Monaten für ihre Kunden im Schnitt gerade einmal einen Ertrag von 1,4 Prozent. International investierende Rentenfonds schnitten in diesem Zeitraum mit einem Plus von 4,1 Prozent auch nicht wesentlich besser ab.

Euro-Rentenfondsanleger litten zuletzt vor allem unter der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die Frankfurter Währungshüter haben ausgerechnet im Dezember 2005 und im März 2006 ihre Leitzinsen angehoben, nach rund zweieinhalb Jahren historisch niedriger Zinsen. Das steigende Zinsniveau aber führte zu sinkenden Anleihekursen - und zu den Minirenditen der Euro-Rentenfondsanleger in Höhe von 1,4 Prozent. Weil das auf Jahressicht weniger war als die Inflationsrate, verloren Anleger mit ihrem vermeintlichen Sicherheitsinvestment unter dem Strich sogar Geld.

Auf den ersten Blick besser wird die Bilanz nur auf lange Sicht. In den vergangenen zehn Jahren erzielten Euro-Rentenfonds im Schnitt eine Wertsteigerung von 64,2 Prozent und blieben damit weit über dem zwischenzeitlich eingetretenen Kaufkraftverlust ihrer Euro-Anlagen. Global ausgerichtete Rentenfonds erreichten sogar ein Ergebnis von 72,5 Prozent. Nach 20 Jahren hielten Euro-Rentenfondssparer durchschnittlich mehr als das Doppelte dessen in der Hand, das sie einst in ihre Fonds investiert hatten.

Aktien schlagen Anleiheninvestments

Trotz dieser scheinbar beeindruckenden Zahl stellen Aktienfonds ihre Anleihenkonkurrenten noch immer weit in den Schatten. Kurzfristig orientierte Anleger verdienten beispielsweise in den vergangenen zwölf Monaten mit ihrer Geldanlage in internationale Aktienfonds nahezu das 20fache der Euro-Rentenfondssparer: Der Wert ihres Aktienfondsdepots stieg im Jahresverlauf durchschnittlich um 27 Prozent.

Zudem entscheiden die Aktienfonds auch im langfristigen Vergleich das Renditerennen für sich. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre erwirtschafteten die Manager internationaler Aktienfonds für ihre Anleger einen Wertzuwachs in Höhe von 113,8 Prozent, im 20-Jahres-Test weisen sie im Schnitt ein Ergebnis in Höhe von 262,4 Prozent auf. Das entspricht einem Renditevorsprung der Aktien- vor den Rentenfonds in den Vergleichsperioden von rund 40 sowie 50 Prozentpunkten.

Wer sein Geld zur Altersvorsorge vergleichsweise sicher investieren möchte, aber dabei nicht komplett auf den Renditevorteil der Aktienfondsanleger verzichten will, sollte deshalb über eine gemischte Geldanlage nachdenken.

Gute Vermögensverwalter beispielsweise haben in den vergangenen zwölf Monaten ansehnliche Renditen erzielt, in dem sie nur 30 Prozent des angelegten Geldes in ertragreiche Aktienfonds steckten, den Großteil des Kapitals aber in vergleichsweise sichere Rentenfonds anlegten. So kamen zum Beispiel im vergangenen Jahresverlauf schnell Renditen von mehr als neun Prozent zusammen. Bei langfristigen Geldanlagen zur Altersvorsorge macht sich das nach 20 oder mehr Sparjahren kräftig bemerkbar, sollte der Erfolg wiederholt werden.

Der Rat der Vermögensprofis ist zudem längst nicht mehr nur von den Millionären unter uns bezahlbar. Professionelle Fondsgeldanlagen legen durchaus ab einer kleineren fünfstelligen Anlagesumme los. Zudem liegt das Honorar für ihre Arbeit oft kaum über den Fondsverwaltungsgebühren so mancher Investmentgesellschaft.