Rettungsplan: Teure Fehlspekulation - WestLB streicht 1500 Stellen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rettungsplan Teure Fehlspekulation - WestLB streicht 1500 Stellen

Die Bank ist gerettet, aber für einen hohen Preis: Die WestLB bekommt eine neue Milliardenstütze vom Land NRW - so haben es die Anteilseigner in einer Krisensitzung beschlossen. Bis 2010 will das Geldinstitut jeden vierten Arbeitsplatz streichen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Aufsichtsrats-Chef Michael Breuer gab sich zuversichtlich. "Jetzt kann sich die WestLB voll und ganz auf die zukünftige Neuausrichtung konzentrieren", sagte er bei der Vorstellung der Einigung in Düsseldorf.

Für viele Mitarbeiter ist die Zukunft bei der WestLB aber bald vorbei - denn im Zuge ihrer Sanierung will die Landesbank bis Ende 2010 bis zu 1500 der knapp 6000 Arbeitsplätze streichen. So steht es im Sanierungsplan, den die Anteilseigner - die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie die Landschaftsverbände - nach einer nächtlichen Krisenrunde abgenickt haben.

Der Stellenabbau sei bitter, aber ohne Alternative, betonte Vorstandschef Alexander Stuhlmann. Damit ließen sich etwa 300 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Fusion mit Helaba wird weiter geprüft

Auch die Steuerzahler sind mit im Risiko. Denn die WestLB-Eigner einigten sich auf die Gründung einer Zweckgesellschaft, mit der weitere mögliche Zahlungsausfälle von bis zu fünf Milliarden Euro abgeschirmt werden sollen. Die Eigentümer tragen davon - entsprechend ihrer Anteile - zwei Milliarden Euro, das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt noch einmal weitere drei Milliarden Euro. Es ist die zweite staatliche Hilfsaktion für die WestLB seit Januar - ohne Hilfsmaßnahmen hätte ihr die Insolvenz gedroht.

Die WestLB hatte im vergangenen Jahr Milliardenwerte durch Fehlspekulationen vernichtet. Sie hatte sich im Eigenhandel mit Aktien unter anderem von Volkswagen  , Metro   und BMW   verloren - und war zudem hohe Risiken auf dem inzwischen kollabierten Markt für Immobilienkredite eingegangen. Ergebnis: ein Verlust von rund einer Milliarde Euro und Abschreibungen von ebenfalls einer Milliarde Euro.

Der Sanierungsplan kam auch auf Druck der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin zustande. Deren Chefs, Axel Weber und Jochen Sanio, hatten an der nächtlichen Runde teilgenommen. Die Eigentümer der WestLB waren zuvor lange tief zerstritten.

Weitere Punkte des Sanierungsprogramms:

  • Mit Hilfe der Zweckgesellschaft soll sich die WestLB von wesentlichen Risiken aus dem Wertpapiergeschäft befreien. Dazu werden Papiere in einem Volumen von etwa 23 Milliarden Euro außerhalb der Bank in der neuen Gesellschaft gebündelt.
  • Die Bank will das Verbundgeschäft mit den Sparkassen, dem Mittelstand und mit Privatkunden stärken und das Investmentbankgeschäft dafür begrenzen. Das ehrgeizige Ziel: Durch diese "Mittelstandsoffensive" sollen die Erträge um rund 100 Millionen Euro im Jahr erhöht werden.
  • Ein Zusammengehen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wird weiter ausgelotet.

"Das ist ein gutes Ergebnis, mit dem sich alle Beteiligten sehen lassen können", sagte der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU). "Das Land hat eine weit über die eigene Kapitalbeteiligung hinausgehende Verantwortung übernommen." Es strebe nicht von sich aus die Mehrheit an der WestLB an.

itz/AP/dpa/Reuters

Mehr lesen über