Rezession: Bundesagentur registriert rapiden Anstieg der Kurzarbeit - DER SPIEGEL
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Rezession Bundesagentur registriert rapiden Anstieg der Kurzarbeit

Die Finanzkrise schlägt bereits jetzt auf den Arbeitsmarkt durch: Die Job-Agenturen haben in den vergangenen Wochen einen massiven Anstieg der Kurzarbeit registriert. Allein in den ersten Oktobertagen haben Autofirmen Kurzarbeit für mehr als 25.000 Beschäftigte angemeldet.
Von Nina Bovensiepen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ende Juni gab es nach Angaben des Arbeitsministeriums insgesamt erst etwa 50.000 Kurzarbeiter in Deutschland. Die Zahl dürfte aber in den nächsten Monaten rasch steigen. Laut einer Umfrage der Bundesagentur für Arbeit, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, haben Autofirmen allein zwischen dem 1. und dem 10. Oktober für gut 25.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.

Bereits seit Anfang September registrieren die Arbeitsagenturen mehr Anfragen von Firmen zu dieser Finanzhilfe der Bundesagentur. Die Bundesarbeitsagentur gewährt das sogenannte konjunkturelle Kurzarbeitergeld, wenn Unternehmen vorübergehend unter einer Flaute leiden, die Situation sich aber vermutlich in absehbarer Zeit bessert.

Im Extremfall ordnen die Betriebe "Kurzarbeit null" an. Die Beschäftigten arbeiten dann gar nicht mehr, erhalten aus der Kasse der Bundesagentur für Arbeit aber 60 Prozent ihres früheren Lohns (bei Beschäftigten mit Familie sind es 67 Prozent). Die Unternehmen müssen in dieser Zeit nur die Sozialabgaben zahlen. Zugleich kommen sie um Entlassungen zumindest vorerst herum.

Auch für die Politik und die Bundesagentur für Arbeit hat die Kurzarbeit somit einen positiven Effekt, weil die Betroffenen nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Das Kabinett hat kürzlich als Teil des "Schutzschirms für Arbeitsplätze" beschlossen, dass das Kurzarbeitergeld künftig 18 Monate statt wie bisher 12 Monate gezahlt werden kann.

Zusätzliche Kosten entstehen der Arbeitslosenversicherung nach Ansicht von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) nicht. Die Kurzarbeit sei sogar billiger, als wenn die Betroffenen direkt arbeitslos würden, weil die Firmen ja weiter die Sozialbeiträge zahlen. Diese Rechnung gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kurzarbeiter später auch wirklich wieder ordentlich beschäftigt werden - und nicht lediglich mit Verzögerung arbeitslos werden.

In jüngster Zeit haben bereits etliche Unternehmen mitgeteilt, dass sie die Hilfe der Bundesagentur für Arbeit für ihre Beschäftigten beantragt haben. Am Freitag teilte der Autozulieferer Bosch mit, dass er von Dienstag an sein Werk Reutlingen-Rommelsbach für mehrere Wochen schließt und 400 Mitarbeiter in eine hundertprozentige Kurzarbeit schickt. Für sein Bamberger Werk hatte Bosch schon zuvor für 3500 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.

Die Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer und MAN Roland lassen Teile ihrer Belegschaft ebenfalls kurzarbeiten. Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche schließt Kurzarbeit an den deutschen Standorten des Automobil-Konzerns nicht aus, wenn sich die Absatzkrise in der Autoindustrie weiter verschärft.