Rezession Ölpreis fällt auf Vier-Jahres-Tief
Singapur/Frankfurt am Main/London - Der Ölpreis kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar sank im frühen Handel auf bis zu 39,19 Dollar. Zuletzt lag der WTI-Preis bei 39,66 Dollar, das waren 40 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zur Februar-Auslieferung sank um 33 Cent auf 45,20 Dollar.
Selbst die größte Förderkürzung aller Zeiten seitens der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bleibt damit ohne Wirkung. Das mächtige Ölkartell hatte am Mittwoch in Algerien eine weitere Einschränkung der Ölproduktion um 2,2 Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Damit hat die Opec die offiziellen Produktionszahlen seit diesem Herbst um insgesamt 4,2 Millionen Barrel auf nunmehr rund 25 Millionen Barrel pro Tag zurückgenommen.
Am Markt dominierten weiterhin Sorgen um die weltweite Konjunktur, sagten Händler. Die trüben wirtschaftlichen Aussichten ließen eine sehr schwache Ölnachfrage erwarten, was die Preise derzeit stark belaste, hieß es. Die globale Rezession und der Ölpreisverfall belastet die Förderstaaten damit immer mehr. Erschwerend kommt für sie der Wertverlust des Dollar hinzu. Öl wird in Dollar abgerechnet, ein fallender Dollar macht Öl in anderen Währungen billiger.
So ist der Euro infolge der Nullleitzinspolitik in den USA am Donnerstag zeitweise auf den höchsten Stand zum Dollar seit rund zweieinhalb Monaten geklettert. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung bis zu 1,4494 Dollar und damit so viel wie Ende September. Zuletzt kostete der Euro noch 1,4420 Dollar.
Analysten begründen die anhaltend feste Tendenz des Euro mit der faktischen Nullzinspolitik in den USA und den angekündigten Maßnahmen der US-Notenbank (Fed) zur massiven Ausweitung der Geldmenge. Die Fed hatte den Leitzins am Dienstag auf eine Spanne von 0 bis 0,25 Prozent verringert und zudem zusätzliche Maßnahmen wie den Ankauf amerikanischer Staatsanleihen in Aussicht gestellt. Auch andere wichtige Währungen wie der japanische Yen legten infolgedessen weiter zum Dollar zu.
Weitere Notenbanken könnten dem US-Beispiel folgen. Nach der historischen Zinssenkung durch die Fed hält die Bank of England einen Nullzins auch in Großbritannien für denkbar. "Das ist eine Möglichkeit", sagte der Vizegouverneur der britischen Notenbank, Charles Bean, in der "Financial Times" vom Donnerstag.
Mit einem Zinssatz von gegenwärtig zwei Prozent gebe es zwar durchaus noch einigen Spielraum. Aber natürlich könnten die Zinsen auf nahe Null fallen. Die Bank of England hat den Zinssatz seit Oktober um drei Prozentpunkte gesenkt. Mit der Aussicht auf die erste Rezession in Großbritannien seit Anfang der neunziger Jahre gelten weitere Zinsschritte als wahrscheinlich.