Rezessionsangst an der US-Börse: Dow Jones bricht drastisch ein - DER SPIEGEL
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Rezessionsangst an der US-Börse Dow Jones bricht drastisch ein

Die Wall Street gerät in den Abwärtssog der europäischen Börsen: Der Dow Jones büßt zeitweise über 400 Punkte ein. Zuvor hatte der Dax bereits massive Verluste verbucht.
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New York - Die US-Börsen sind mit hohen Verlusten in den Handel gestartet. Der Dow Jones   verlor in den ersten Handelsminuten über fünf Prozent. Der breitere S&P-500-Index verlor fast sechs Prozent, der Nasdaq   rutschte um 5,5 Prozent ab. Mittlerweile erholt sich der US-Leitindex wieder etwas.

Nervöser Broker in New York: Börsenbeben auch in Amerika

Nervöser Broker in New York: Börsenbeben auch in Amerika

Foto: AFP

Händlern zufolge hat die Angst vor einer globalen Rezession die weltweiten Aktienmärkte in eine Abwärtsspirale getrieben. Auch die zuletzt veröffentlichten US-Unternehmenszahlen und Ausblicke drückten auf die Stimmung, sagten Börsianer.

Aus Furcht vor noch stärkeren Verlusten hätten zudem Hedgefonds und andere institutionelle Investoren Geld aus den Märkten abgezogen. Die Marktteilnehmer agierten nicht rational, sondern in Panik, sagte ein Marktteilnehmer.

Dax bis zu elf Prozent im Minus

Zuvor war bereits der Dax   massiv eingebrochen. Das Börsenbarometer fiel bis Freitagmorgen zeitweise um mehr als elf Prozent und näherte sich dabei bedrohlich der 4000-Punkte-Marke. Mittlerweile grenzte der Dax seine Verluste von auf ein Minus von rund 6,5 Prozent ein. Deutsche Händler hatten mit einem weit schwereren Absturz in den USA gerechnet. "Der ganz große Knall ist bislang ausgebliebenen, jetzt hat sich die Panik etwas gelegt", sagte ein Händler. "Ich trau dem Braten trotzdem nicht", ergänzte er.

Die Abstürze vom Vormittag nannte ein zweiter Händler eine "Kapitulation". "Der Anleger fällt in die stabile Seitenlage und kann nur noch zuschauen", sagte er. Ein dritter Händler sagte, ihm fehle mittlerweile die Phantasie, wie weit es noch nach unten gehen könnte. "Aktuell gilt am Markt das Motto: Alles muss raus!"

Angst vor der Weltrezession

Als Grund für den neuen Absturz nannten Händler wachsende Rezessionsängste. Chefvolkswirte einiger deutscher Banken sehen nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung Deutschland schon jetzt in einer Rezession. Nach Berechnungen der DekaBank ist die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft. Die Postbank   sieht dem Bericht zufolge ein Minus von 0,1 Prozent. Schon im zweiten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent gesunken.

Als weiteren Grund für den Absturz nannten Händler, den sich immer weiter verteuernden Yen. "Das gibt dem Markt den Rest", sagte ein Stratege. "Die ehemals zu Traumkonditionen aufgenommenen Yen-Kredite - die sogenannten Carry-Trades - werden durch die massive Aufwertung der japanischen Währung zu teuer. Sie werden nun kompromisslos zurückgefahren."

Durch die Kursstürze der vergangenen Monate haben die Dax-Unternehmen seit Jahresbeginn rund die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt. Das Minus beläuft sich zusammengerechnet auf knapp 500 Milliarden Euro - also in etwa dem Volumen des Rettungspaketes der Bundesregierung für die angeschlagene Finanzbranche.

Besonders hart traf es die Bankentitel: Sie verloren in diesem Zeitraum durchschnittlich drei Viertel ihres Wertes. Aktuell machen Commerzbank  , Deutsche Bank   und Hypo Real Estate   nur noch knapp fünf Prozent der Marktkapitalisierung aller Dax-Firmen aus. "Die Klassifizierung des Dax als 'finanzlastiger' Index hat sich im Zuge der Subprime- und Finanzkrise erübrigt", stellten Analysten fest.

Börsen in ganz Europa tief im Minus

Auch über andere europäische Aktienmärkte fegte der Börsensturm hinweg. Der Leitindex EuroStoxx 50   verlor zeitweise mehr als zehn Prozent. Für den Londoner FTSE 100   ging es um mehr als acht Prozent nach unten. Der französische CAC 40   sackte um neun Prozent ab.

Vor allem Aktien von Automobilunternehmen sorgten mit gesenkten Prognosen für trübe Stimmung. Die Aktien des französischen Autobauers Renault   brachen um fast 19 Prozent ein. Peugeot  -Titel fielen um mehr als 14 Prozent, Volvo  -Papiere um mehr als 21 Prozent. Auch Bankwerte litten unter den Sorgen um eine wirtschaftliche Abschwächung. So fielen die Titel der britischen Bank HSBC um mehr als elf Prozent, und die Aktien des spanischen Instituts Santander   verloren mehr als 13 Prozent.

Ein weiterer Grund für die Kursstürze in ganz Europa ist nach Angaben von Händlern die schlechte Ökonomie in Großbritannien. Nach amtlichen Zahlen schrumpfte dort die Wirtschaft erstmals seit 16 Jahren. Die Statistikbehörde teilte am Freitag mit, das BIP sei im dritten Quartal um 0,5 Prozent gesunken. Das Land könnte in eine Rezession rutschen, wenn das Wachstum auch im folgenden Quartal noch ausbleibt.

Der Euro   setzte seinen Sinkflug gegenüber dem Dollar fort. Die Gemeinschaftswährung notierte gegen Mittag teils unter der 1,25-Dollar-Marke - so tief wie seit mehr als zwei Jahren nicht. Der Referenzkurs des Euro ist am Freitag weiter gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,2596 Dollar fest.

Indischer Sensex stürzt um fast elf Prozent ab

Der indische Aktienindex Sensex ist um fast elf Prozent abgestürzt und auf seinen tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen. Zum Handelsschluss am Mittag lag der 30 Werte umfassende Leitindex an der Börse in Mumbai (Bombay) bei nur noch 8701 Punkten.

Am Morgen hatte schon der Nikkei   in Tokio erneut fast zehnprozentige Verluste hinnehmen müssen. Er fiel auf nur noch 7649 Punkte. Zuletzt hatte der Index im Mai 2003 unter 8000 Punkten gelegen. Grund für den Ausverkauf war das Erstarken des Yens, was Exporte für japanische Unternehmen verteuert.

Die Börse in Südkorea schloss mit einem Minus von 10,6 Prozent erstmals seit mehr als drei Jahren unter 1000 Punkten: Der Leitindex in Seoul fiel um 110 Punkte auf 938 Zähler. Vor allem schlechte Prognosen in den Quartalsbilanzen zahlreicher Unternehmen nähren weiter Rezessionsängste.

ssu/AP/dpa/ddp/Reuters