Rezessionsgefahr Was ein Konjunkturprogramm bewirken würde
Berlin - Es gibt sogar noch Ökonomen, die trotz der gegenwärtig schlechten Finanzlage an ein leichtes Wirtschaftswachstum glauben. Einig sind sich die Experten jedoch darin, dass die bisherigen Wachstumsprognosen allenfalls noch ein frommer Wunsch sind. Die aktuellen Schätzungen der Fachleute liegen trotzdem noch weit auseinander. So rechnet der Bankenverband mit einer Stagnation in der zweiten Hälfte 2008 und einem geringen Plus von 0,5 Prozent im kommenden Jahr. Eine weltweite Rezession sei dagegen nicht zu befürchten, sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Manfred Weber.
Wirtschaftsmotor Hamburger Hafen: Alle Indikatoren weisen auf einen ökonomischen Abschwung hin
Foto: manager-magazin.deAuch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung will in seinen aktuellen "Herbstgrundlinien" noch nicht von einer Rezession reden: Der Rückgang der Nachfrage aus den von der Immobilienkrise betroffenen Ländern führe zwar zu einer deutlichen Delle beim deutschen Exportwachstum im ersten Halbjahr 2009. Stabiles Wachstum in den mittel- und osteuropäischen Ländern sowie in den Schwellenländern verhindere jedoch ein Abrutschen der Konjunktur. Auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sei nicht zu erwarten, was in der Regel als typisches Anzeichen einer Rezession gelte.
Wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den nach wie vor hohen Preisen für Energie- und Verbrauchsgüter verlangsamt sich der Prognose zufolge das Wachstum, und viele große Volkswirtschaften sind nah an einer Rezession oder schlittern gerade hinein. Die deutsche Wirtschaft werde 2009 allenfalls mit einem Nullwachstum davonkommen.
Noch pessimistischer äußerte sich der Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn: "Die Indikatoren bei den Investitionen deuten darauf hin, dass wir in eine Abschwungphase hineingleiten." Die Talfahrt sei ebenso wie die Finanzmarktkrise frühestens im Laufe des kommenden Jahres überwunden - vorausgesetzt es gelingt, das Bankensystem in den USA und in Europa zu stabilisieren.
Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung werden in der Politik bereits die ersten Rufe nach einem Konjunkturprogramm laut. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will jedoch eisern an seinem Plan festhalten, bis 2011 einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Unter Ökonomen stößt er damit jedoch auf ein geteiltes Echo. SPIEGEL ONLINE hat die wichtigsten Experten zu der Streitfrage befragt und dokumentiert Ihre Antworten: