Rezzo Schlauch Industrie sollte Geburtstagsfeier von grünem Ex-Politiker sponsern
Rezzo Schlauch
Foto: imago/Future ImageRezzo Schlauch, grünes Urgestein und heute Wirtschaftsanwalt, hat Industrieunternehmen und Manager in Baden-Württemberg ausgerechnet mit einer Einladung zu seinem 70. Geburtstag verstört: Sein Jubiläum hatte der ehemalige Staatssekretär in der vergangenen Woche mit rund 400 Gästen auf der Kulturinsel Bad Cannstatt in Stuttgart gefeiert.
Eingeladen waren Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU), Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und hochrangige Vertreter aus Kultur und Wirtschaft wie Ex-Porsche Chef Wendelin Wiedeking.
Für Irritationen sorgte allerdings ein Brief des Organisationsteams. Denn bezahlt werden sollte die rauschende Party offenbar auch von den Gästen selber, besser gesagt von deren "Unternehmen oder Organisation", wie es in dem Mitte September verschickten Schreiben heißt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)
Als eine Art Gegenleistung für die "finanzielle Zuwendung" stellte das Veranstaltungsteam den Geldgebern eine Nennung im Programmheft und "ausgewählte und aussagewirksame Fotos des Abends" in Aussicht.
Manager Utz Claassen etwa verstand diese Offerte so, dass ihm damit Fotos mit Außenminister Gabriel angeboten werden sollten, eventuell gar zur werblichen Nutzung. Gabriel war allerdings ohnehin kurzfristig verhindert.
Nicht nur Claassen lehnte den Deal empört ab. Unternehmen wie die EnBW-Gas-Tochter VNG ließen ihre Juristen prüfen, ob solche Zahlungen gegen Compliance-Regelungen verstoßen würden - mit klarem Ergebnis. Auch von VNG gab es keine Spende zu der Schlauch-Party.
Laut Organisationsteam wurde die Aktion ohne Wissen des Ex-Politikers durchgeführt. Ansonsten will man sich nicht zu dem Vorgang äußern. Auch Schlauch schweigt, schaltete aber einen Medienanwalt zur Wahrung seiner Interessen ein.