Riesen-Finanzfusion Deutsche Bank besiegelt Einstieg bei Postbank
Frankfurt am Main - Der Aufsichtsrat der Post habe dem Verkauf zugestimmt, teilten die Deutsche Bank und die Deutsche Post in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Damit wird die größte Deutsche Bank größter Einzelaktionär der Postbank . Schon seit Donnerstagnachmittag galt der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank als höchstwahrscheinlich.
Post-Chef Appel, Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Bankenfusion geglückt
Foto: APPost-Chef Frank Appel erklärte, mit der Deutschen Bank habe die Post "einen verlässlichen Partner gefunden, der Teile unserer Beteiligung an der Postbank zu einem passenden Zeitpunkt übernimmt. So können wir uns zukünftig noch stärker auf unsere weltweite Logistik-Kompetenz konzentrieren."
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte, sein Institut habe sich "zu attraktiven Konditionen an einer der führenden Privatkundenbanken in Deutschland beteiligt". Die Option, die Beteiligung an der Postbank in der Zukunft aufzustocken, biete zusätzliche langfristige Wachstumsmöglichkeiten.
Die Deutsche Bank zahlt der Post insgesamt 2,79 Milliarden Euro - der Kaufpreis liegt damit mehr als ein Viertel über dem Schlusskurs der Postbank vom vergangenen Freitag. Die Deutsche Bank zahlt in bar. Zur Finanzierung plant sie eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Milliarden Euro.
Die Post erwägt, zumindest einen Teil des Erlöses aus dem Teilverkauf an die Aktionäre ausschütten. In einer offiziellen Mitteilung gab das Institut bekannt, noch in diesem Jahr darüber zu entscheiden. Sie reagiert damit auf frühere Forderungen: Vor allem angelsächsische Großinvestoren hatten immer wieder verlangt, die Postbank zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten.
An der Börse gaben die Aktien der Deutschen Bank und der Postbank nach Bekanntwerden der Einigung deutlich nach. Die Papiere der Post legten dagegen zu. Alle drei Aktien sind im Leitindex Dax notiert.
Bundesregierung will kein Veto einlegen
Der Einstieg wird im ersten Quartal 2009 vollzogen, Kartellbehörden müssen ihm allerdings noch zustimmen. Die Bundesregierung hat die Übernahme bereits abgesegnet. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat der Bund zwar ein Vetorecht bis zum 31. Dezember. "Wir werden diese Vetoposition nicht einlegen ."
Die Deutsche Bank erhält laut offizieller Mitteilung die Option von der Deutschen Post, ein weiteres Aktienpaket in Höhe von 18 Prozent an der Postbank für 55 Euro je Aktie zu erwerben. Diese Option könne zwischen 12 und 36 Monaten nach dem Abschluss des Erwerbs des ersten Pakets erfolgen. Zudem räume die Deutsche Post der Deutschen Bank ein Vorkaufsrecht für ihre verbleibenden Aktien an der Postbank ein.
Weiterhin haben Deutsche Bank mit ihren weltweit 14 Millionen Privat- und Geschäftskunden und Postbank mit 14,5 Millionen Kunden in Deutschland vereinbart, in mehreren Bereichen zu kooperieren. Hierzu zählen der Vertrieb von Immobilienfinanzierungen und Investmentprodukten. In dieser Zusammenarbeit liege für beide Partner ein beträchtliches Ertragspotenzial, hieß es.
Die Post ihrerseits erhält eine Verkaufsoption wegen eines möglichen Kursverfalls im Zuge der Finanzkrise: Sie kann ihren verbleibenden Postbank-Anteil von 20,25 Prozent plus einer Aktie zum Preis von 42,80 Euro je Aktie an die Deutsche Bank veräußern.
Ob die Deutsche Bank die Postbank langfristig behält, ist allerdings noch nicht klar. Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der TU Darmstadt, hält es für denkbar, dass die Deutsche Bank ihren Postbank-Anteil in einigen Jahren mit Gewinn wieder verkauft, wenn sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten gelegt und Bankaktien wieder erholt haben.
Ver.di mahnt vor Job-Kahlschlag
Mit welcher Mehrheit die Entscheidung gefallen ist, ist noch nicht klar. Die Arbeitnehmerseite hatte angekündigt, gegen die Übernahme zu stimmen. "Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat der Post wird einem Verkauf nicht zustimmen", sagte der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske.
Ver.di und die Kommunikationsgewerkschaft DPV befürchten, dass durch die Übernahme Tausende Jobs überflüssig werden könnten. Bei der Postbank arbeiten rund 21.000 Beschäftigte, davon 7000 Beamte aus Bundespost-Zeiten. Mittelfristig seien "eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Gefahr", teilte die Gewerkschaft am Freitag in Berlin mit. Die Postbank sei ein "grundsolides Institut, das mit seinen Erträgen verlässlich zum Gesamterfolg des Postkonzerns beigetragen" habe. "Der Teilverkauf ist ein Kniefall vor den Interessen der Aktionäre", sagte die stellvertretende Ver.di- Vorsitzende Andrea Kocsis in Bonn.
Bankenexperte Matthias Köhler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hält einen Job-Kahlschlag allerdings für unwahrscheinlich. Wie es hieß, sollen Deutsche Bank und Postbank als eigenständige Marken weiter bestehen. Damit bliebe zumindest vorläufig auch die Wirkung auf die Arbeitsplätze bei beiden Geldhäusern gering. "Erst bei einer zu einem späteren Zeitpunkt eventuell anstehenden vollständigen Übernahme wird es zu einem Abbau von Stellen kommen", sagte Köhler.
Dieser werde aber deutlich geringer ausfallen als bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, die rund 6500 Stellen in Deutschland gefährde. Die Fusion dieser beiden Finanzinstitute war der erste große Deal im Bankensektor in den vergangenen Wochen. Als Reaktion darauf war ein Schritt der Deutschen Bank erwartet worden - dieser ist nun mit der Übernahme der Postbank erfolgt.
Commerzbank-Chef Martin Blessing sieht die Postbank-Übernahme nach eigenen Angaben positiv - obwohl sie seiner gerade geschaffenen Superbankkräftig Konkurrenz macht. "Ich begrüße jeden Schritt der Konsolidierung in Deutschland", sagte Blessing zur Begründung.
Santander-Bank zieht den kürzeren
Der zweiter Bieter für die Postbank, die spanische Großbank Santander, geht durch die Entscheidung für die Deutsche Bank leer aus. Santander hatte am Donnerstag öffentlich die Absicht bekundet, die Postbank in einem Schritt zu 100 Prozent zu übernehmen. Allerdings hat die spanische Großbank ihr Interesse an der Postbank offenbar nur auf Druck der Börsenaufsicht bestätigt. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Von offizieller Seite wurde eine Stellungnahme abgelehnt.
Dem "Handelsblatt" zufolge hatte Santander ohnehin keine Chancen. Post-Chef Frank Appel habe die Deutsche Bank favorisiert, weil er sich spätere Kursgewinne für den verbleibenden Anteil an der Postbank erhoffe.
ssu/AP/AFP/dpa/ddp/Reuters