Riester-Rente Experten verlangen Reform der Reform
Hamburg - AWD-Vorstandschef Carsten Maschmeyer und sein tecis-Kollege Christian Steinberg sagten in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag", die staatlich geförderte Altersversorgung zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung werde kaum angefragt. "Die Riester-Rente ist für die Kunden einfach nicht attraktiv genug im Vergleich zu anderen Anlagen", sagte Steinberg.
Maschmeyer wies daraufhin, dass sich von etwa 32 Millionen Berechtigten erst rund zwei Millionen dafür entschieden hätten. Ein deutlicheres Signal könne der Markt kaum aussenden. Möglicherweise müsse auch die Frist verlängert werden, so dass die Betroffenen auch im nächsten Jahr noch die Förderung rückwirkend für 2002 beantragen könnten.
Das Deutsche Institut für Altersvorsorge nahm angesichts des mangelnden Interesses an der Privatvorsorge auch die Bundesregierung in die Pflicht: Sie verschleiere die Wahrheit über die künftige Entwicklung der gesetzlichen Rente, sagte DIA-Sprecher Bernd Katzenstein laut "Welt am Sonntag". Das gesetzliche Rentenniveau werde im Jahr 2030 nicht 67 Prozent betragen, wie offiziell behauptet, sondern nur 63,8 Prozent.
Das Bundesarbeitsministerium wies die Kritik zurück. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass sich die Inanspruchnahme der staatlichen geförderten Altersvorsorge in der zweiten Jahreshälfte enorm beschleunige, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater am Sonntag in Berlin.
Es gebe mittlerweile über 180 Tarifverträge für den betrieblichen Teil der Riester-Rente, erklärte Vater. Diese würden für rund 17 Millionen Menschen gelten, die die Leistungen in Anspruch nehmen könnten. "Das zeigt, dass die Kritik der Finanzdienstleister falsch ist", betonte Vater. "Dahinter steckt, dass die Erwartungen dieser Finanzdienstleister bislang nicht erfüllt worden sind."