Riester-Rente FDP ruft zum Boykott auf
Berlin - Gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" beklagte Brüderle, die Riester-Rente sei ein bürokratisches Monster mit elf Zulassungskriterien, bei dem kein Normalbürger durchblicke. Es verwundere daher nicht, wenn von 31 Millionen Anspruchsberechtigten erst zwei Millionen Verträge abgeschlossen und Hunderttausende davon bereits wieder einen Rückzieher gemacht hätten. Brüderle riet, mit einem Vertragsabschluss bis nach der Bundestagswahl am 22. September zu warten. Er kündigte eine Initiative im Dialog mit den Versicherungen an, um die private Vorsorge von unnötigem bürokratischen Ballast zu befreien.
Eine Ministeriumssprecherin entgegnete Brüderle: "Die Riester-Rente läuft, besonders in der betrieblichen Altersvorsorge startet jetzt die große Welle. Allein in der Chemieindustrie wurden schon 200.000 Riester-Verträge abgeschlossen, 140 Unternehmen haben sich schon für den Chemie-Pensionsfonds angemeldet."
Nach Ansicht des Regierungsberaters und Rentenexperten Bert Rürup ist dies aber noch längst nicht genug. Riester, so kritisierte er, habe nicht dafür gesorgt, dass zur rechten Zeit die richtigen Angebote auf dem Markt zu erhalten gewesen seien. Es sei nicht richtig gewesen zu sagen: "Wartet mit dem Abschluss, bis es betriebliche Produkte gibt" und dann nicht dafür zu sorgen, dass Pensionsfonds und Pensionskassen am 1. Januar 2002 am Markt sind, sagte der Wirtschaftsweise der Zeitung "Financial Times Deutschland". Jedoch könne man von den bisherigen bescheidenen Abschlusszahlen nicht auf ein Scheitern des gesamten Projekts schließen. Die attraktiveren betrieblichen Altersvorsorge-Modelle würden erst allmählich angeboten.