VERBRAUCHER Rindertalg in der Butter
Der Skandal über den Subventionsbetrug mit gepanschter - und möglicherweise mit BSE-Erregern infizierter - Butter weitet sich aus. Nach Ermittlungen der Antibetrugseinheit der Europäischen Union OLAF in Zusammenarbeit mit der italienischen Polizei hat die süditalienische Mafia-Organisation Camorra in der Zeit zwischen 1995 und 2000 nicht - wie von der EU offiziell bekannt gegeben - rund 30 000 Tonnen, sondern etwa 100 000 Tonnen gefälschte Butter nach Frankreich und Belgien oder in Drittländer exportiert und dafür pro Tonne zwischen 1000 und 1200 Euro Subventionen kassiert. Zwei Drittel der gepanschten Ware liefen über die französische Firma Fléchard, die bereits 1992 in einen Subventionsschwindel mit Butter verwickelt war. Das Camorra-Unternehmen in der Region von Neapel mischte der Butter zu 30 Prozent und mehr Rindertalg und -fett aus Abdeckereien bei. Die Mixtur wurde durch die weitere Beimischung von Chemikalien so angereichert, dass die Panscherei bei normalen Lebensmittelkontrollen angeblich nicht auffallen konnte. Fléchard und andere Empfänger verkauften das Fett weiter an renommierte Feinbäckereien und Eisproduzenten, deren Produkte auch in Deutschland verkauft werden. Der Staatsanwalt von Neapel wies bereits am 5. Juli 2000 auf mögliche Gesundheitsgefahren hin. Die EU-Kommission veranlasste daraufhin eine Prüfung, und Verbraucherschutzkommissar David Byrne berichtete dem EU-Parlament über das Ergebnis: Die verunreinigte Butter enthalte keine »gesundheitsgefährlichen chemischen Zusätze wie Polychlorierte Biphenyle (PCB), Chlorierte Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle«. Die französische Zeitschrift »L'Expansion« berichtet hingegen von einem von der Polizei abgehörten Gespräch zwischen einem italienischen Lieferanten und seinem Abnehmer. Darin sei im März vergangenen Jahres die Bemerkung gefallen: »Wenn du diese Butter da frisst, bist du Weihnachten krank.« Ein Arbeiter der süditalienischen Pansch-Firma sagte der Zeitschrift zufolge aus: »Der Geruch ähnelte dem von Glycerin. Wenn ein Tropfen auf die Haut fiel, erinnere ich mich, dann brannte es.« Die EU-Abgeordnete Gabriele Stauner (CSU) mag der amtlichen Zusicherung, es gebe dennoch keine »direkte Gesundheitsgefährdung«, offenbar nicht vertrauen. Sie möchte vom Brüsseler EU-Kommissar Byrne bestätigt haben, »dass das von den Butterpanschern verwendete Verfahren im Prinzip dem Verfahren entspricht, das bei der Herstellung von so genannten Milchaustauschern für die Aufzucht von Kälbern verwendet wird«. Wissenschaftler hegen den Verdacht, dass über solche »Milchaustauscher« BSE übertragen werden kann.