Risiko China Wenn Wachstum zu schnell wird
Die boomende Volkswirtschaft mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern dürfte schon 2010 Deutschland als drittgrößte Wirtschaftskraft ablösen und bis 2050 die weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Optimisten fragen, welche Konsequenzen diese Neugewichtung der globalen Wirtschaft haben wird. Skeptiker weisen auf den stark steigenden Rohstoffbedarf Chinas, das ineffiziente Bankensystem sowie auf dringend notwendige gesellschaftspolitische Reformen hin. Eine "harte Landung" Chinas könnte Schockwellen nicht nur in Asien auslösen.
Die hohe Sparrate der Chinesen ist nach Ansicht von David Li, Ökonomieprofessor der Tsinghua Universität, ein dreifaches Risiko: Die großen Sparvorkommen erhöhen den Anlagedruck der Banken und fördern damit eine Blase am Immobilienmarkt. Zweitens verleiten niedrige Zinsen Unternehmen zu Überinvestitionen - Überkapazitäten drohen. Drittens ist China wegen der schwachen Inlandsnachfrage weiterhin auf den Massenexport von Gütern angewiesen - Nationen wie die USA, die ein gigantisches Defizit im Handel mit China aufweisen, könnten sich schon bald gegen die Warenschwemme aus China wehren.
Chinas Bürger haben triftige Gründe zum Sparen: Auf Grund der Ein-Kind-Politik werden bald weniger junge Menschen mehr ältere Menschen versorgen müssen. Ein staatliches Renten-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungssystem fehlt bislang, so dass die Menschen selbst vorsorgen müssen. Die Regierung steht vor gewaltigen sozialen Reformen, wenn sie eine Grundsicherung für ihre Bürger sicherstellen will.
Ein Pensionssystem und eine Krankenversicherung dürften die Unsicherheit und damit auch die Sparrate senken. Doch die geforderten sozialen Reformen, die Modernisierung des Rechtssystems und die weitere Öffnung der Kapitalmärkte werden in dem riesigen Reich der Mitte nicht von heute auf morgen durchgesetzt. Derweil wachsen in China die Städte, was den Hunger nach Energie und Rohstoffen weiter erhöht: Rund 300 Millionen Menschen sollen nach Plänen der chinesischen Regierung in den kommenden Jahren in Städten angesiedelt werden - das sind so viele, wie heute in den Vereinigten Staaten leben. Die Auswirkungen auf Energie- und Rohstoffpreise werden deutlich sein.