Risiko Forschung
Drei klinische Prüfungen müssen Medikamente bestehen, bevor sie zugelassen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt aus der zweiten Testphase die Marktreife erlangt, schätzen Experten auf 30 Prozent. Insgesamt dauert es Jahre, bis ein Medikament einmal zugelassen wird, das Risiko des Scheiterns ist hoch. Zwischen 1980 und 1990, als in den USA und Großbritannien das Biotech-Geschäft bereits boomte, blieben viele Produktentwickler auf der Strecke oder mussten herbe Rückschläge einstecken, wie beispielsweise das Vorzeige-Unternehmen der britischen Biotech-Industrie, British Biotech.
Michael Fischer hält daher große Stücke auf die Produktentwickler, die in nächster Zeit neue Medikamente auf den Markt bringen werden. Der Chef der Münchner Beratungsgesellschaft Medical Strategy setzt zum Beispiel auf das US-Unternehmen Aviron. Die Kalifornier haben einen Grippeimpfstoff in der Zulassung , der als Nasenspray verabreicht werden kann. Fischer rechnet damit, dass Aviron das Produkt im Herbst auf den Markt bringen wird.
"Bei einem solchen Unternehmen ist das Risiko kalkulierbar", sagt Fischer, der seit 1994 in dem monatlichen Börsenbrief "Medical Strategy" Kaufempfehlungen für Biotech-Werte gibt. Aviron oder auch Enzon aus New Jersey hätten ein großes Potenzial, bergen aber ein gewisses Restrisiko. Als Faustregel gilt: Befindet sich ein Produkt in der letzten Phase der klinischen Prüfung , wird es mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent den Markt erreichen.
Forschende Unternehmen, die selbst Medikamente entwickeln, statt nur Technologien zu verkaufen, können sich aber auch von einem Tag auf den anderen als Fehlinvestition herausstellen. Immunex und Actelion heißen die jüngsten Opfer. Die Immunex-Aktien brachen im März an einem Tag um mehr als 40 Prozent ein, nachdem klinische Prüfungen bei zwei wichtigen Produkten, Nuvance gegen Asthma und dem Arthritis-Präparat Enbrel, nicht bestanden wurden. Kürzlich ging die Aktie der schweizerischen Actelion AG nach enttäuschenden Ergebnissen für die abschließende klinische Prüfung beim Medikament Veletri gegen Herzschwäche um 60 Prozent in die Knie. Analysten hatten für Veletri ein Umsatzpotenzial von 450 Millionen Dollar prognostiziert.