Risiko Protektionismus Verpasste Gelegenheiten
Das 2001 in Doha formulierte Ziel, die Probleme der Entwicklungsländer stärker zu berücksichtigen und deren Einkommen zu steigern, bleibt auch 2006 noch weit hinter der Wirklichkeit zurück.
Die so genannte Doha-Entwicklungsrunde hat das ehrgeizige Ziel, Ungleichgewichte im Welthandel abzubauen und Entwicklungsländer beim Aufbau ihrer Handelskapazitäten zu unterstützen - sie ist noch immer nicht abgeschlossen. Dass sich die WTO-Mitgliedsstaaten auf die in Doha formulierte Agenda einigen, ist für die betroffenen Entwicklungsländer jedoch von größerer Bedeutung als ein scheinbar großzügiger Schuldenerlass oder eine Erhöhung der Entwicklungshilfe.
Die WTO-Unterhändler sehen sich wachsendem Widerstand konfrontiert, meint Carla Hills, frühere Handelsbeauftragte der USA. Immer mehr Regierungen zögen sich auf regionale oder bilaterale Handelsabkommen zurück. Zudem verteidigen viele reiche Industrienationen ihre etablierten Subventionssysteme, die für Entwicklungsländer klare Handelshemmnisse bedeuten.
Ein Scheitern der Doha-Runde bedeute "ein Risiko und drei verpasste Gelegenheiten", so Hills. Ein Scheitern der Verhandlungen würde den Einfluss der WTO empfindlich schmälern, da Regierungen sich künftig stärker auf regionale Handelsabkommen verlegen würden. Damit würde die Gelegenheit, die Liberalisierung der Weltwirtschaft voranzutreiben, verpasst. Zweitens würde die Chance verpasst, Ungleichgewichte des bestehenden Systems zu korrigieren. Die dritte Chance, durch eine Umsetzung der Doha-Agenda etwas gegen die Armut in vielen Ländern zu tun, bleibe außerdem auf der Strecke.