Rollenwechsel Merkel-Vertrauter Röttgen wird BDI-Geschäftsführer
Berlin - BDI-Präsident Jürgen Thumann pflegt unter den deutschen Verbandsführern bereits den engsten Kontakt zur Kanzlerin, jetzt sollen die Bande noch enger werden. Der 40-jährige Röttgen soll zum Jahreswechsel an die BDI-Spitze wechseln. Wie der Verband heute in Berlin mitteilte, soll er Nachfolger von Ludolf von Wartenberg werden, der aus Altersgründen den Posten aufgibt.
Röttgen wurde auf einer Klausursitzung der BDI-Vizepräsidenten auf Thumanns Vorschlag einstimmig nominiert und soll nach Verbandsangaben am 19. Juni von der BDI-Spitze offiziell berufen werden. Der Wechsel sei für Januar 2007 geplant. Unklar war zunächst, wer Nachfolger Röttgens als Fraktionsgeschäftsführer der Union werden soll.
Von Röttgen erhofft sich der Verband nicht nur bessere Einflussmöglichkeiten auf die Politik. Auch innerhalb der Organisation soll der Rheinländer für frischen Wind sorgen. "Mit dieser Nominierung bereitet der BDI den anstehenden Generationswechsel vor und setzt mit Röttgen erneut auf einen renommierten Politiker in dem Spitzenamt des BDI." Auch Amtsinhaber von Wartenberg war langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter. "Deutschland braucht den Brückenschlag zwischen Politik und Wirtschaft", erklärte der Verband.
Merkel hatte Röttgens Parteikarriere intensiv gefördert: Im Februar vorigen Jahres machte die damalige Vorsitzende der Unions-Fraktion den bis dahin wenig bekannten Rechtsexperten zum Parlamentarischen Geschäftsführer. Dies galt als Wagnis, weil die wichtige Koordination von Fraktion und Ministerpräsidenten der Union für den Vermittlungsausschuss taktisches Geschick und Durchsetzungsvermögen erfordert.
Obwohl in seiner Amtszeit die heiklen Fälle ausblieben, erwarb sich der promovierte Jurist Respekt in der Parteispitze und vor allem das Vertrauen Merkels. Der frühere Vorsitzende der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen gehört zu den reformfreudigen Modernisierern in der Umgebung der Parteichefin, die nach der Bundestagswahl etwa auch ein Bündnis mit FDP und Grünen als Alternative zur Großen Koalition verteidigt hatten.
mik/Reuters/AFP