Ron Sommer: Perspektiven bis zur Schmerzgrenze - DER SPIEGEL
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Ron Sommer Perspektiven bis zur Schmerzgrenze

Ron Sommer stellte sich auf der Hauptversammlung der Kritik seiner Aktionäre. Deren heftige Worte perlten ab, als wäre der Telekom-Chef aus Hartplastik.
Von Carsten Matthäus
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt Reden, die bewegen. Und es gibt Reden, die nur Zeit stehlen. Was Telekom-Chef Ron Sommer seinen Aktionären zu sagen hatte, war keine Reaktion auf die berechtigten Sorgen der Anteilseigner. Unbeirrt emotionslos, gewohnt aalglatt verlas der Chef die immergleichen Floskeln.

Nicht verwunderlich, dass der Chef eines Unternehmens den Kurs seiner Aktie "absolut unbefriedigend" findet, wenn dieser seit seinem Höchststand um 75 Prozent eingebrochen ist. Aber wo sind die Signale, dass es wieder Gutes zu erwarten gibt vom Ex-Monopolisten? Wo sind harte Fakten?

Sommer flüchtete sich in seine üblichen Formeln: VoiceStream sei der richtige Kauf zum richtigen Zeitpunkt, UMTS werde ganz sicher ein Erfolg, bei T-Online und der Qualität der Telekom-Leistungen gebe es nur Gutes zu berichten. Ansonsten redete und redete er bis zur Schmerzgrenze von den "faszinierenden Perspektiven" seines Unternehmens. Alle seriösen Analysen sprächen nur für die Telekom.

Zweifel am Erfolg der UMTS-Technologie ließ Sommer dagegen einfach nicht gelten. Hier sind ihm seriöse Analysen offenbar nicht mehr wichtig. Auch die herbe Kritik am Missmanagement von T-Online und dem Service der Telekom wich der Konzernchef wie ein geübter Politiker aus: Er wiederholte immer wieder, das schon alles gut sei und noch besser werde.

Natürlich stritt Sommer auch alle Vorwürfe gegen sich selbst ab. Nicht einen selbstkritischen Ton konnte man von ihm hören angesichts der peinlichen Korrektur der eigenen Konzernzahlen. Zwei Milliarden aus der Bilanz zu streichen, das war nach Sommers Lesart ein ganz normaler Vorgang. Zumindest hier hätte der Telekom-Chef die Sensibilität für die Sorgen Hunderttausender Aktionäre beweisen müssen. Nichts davon.

Es ist schon fast grotesk, dass Ron Sommer die Stärken der Telekom noch "druckvoller" kommunizieren will. Angesichts seiner puren Werbevorstellung auf der Hauptversammlung kann man da nur rufen: "Sommer, verschone uns."