Rosenkrieg in Büdelsdorf - DER SPIEGEL
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KONZERNE Rosenkrieg in Büdelsdorf

Mobilcom-Chef Schmid kämpft mit allen Tricks um sein Lebenswerk. Doch sein französischer Partner hat die besseren Karten.
Von Klaus-Peter Kerbusk
• aus DER SPIEGEL 13/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fast drei Wochen lang hielt sich Gerhard Schmid dezent zurück. Als könnte er die »Kriegserklärung« aus Paris mit diplomatischen Mitteln vom Tisch wischen, betonte er gebetsmühlenartig: »Es gibt keinen Streit mit unserem Partner France Télécom, die Verträge sind eindeutig.«

Am Freitag vorvergangener Woche war der Mobilcom-Chef mit seiner Geduld am Ende. »Entweder die Franzosen halten sich an ihre Finanzzusagen, oder sie müssen die ganze Firma übernehmen«, entschied er. »Für mich gibt es nur schwarz oder weiß.«

Per Fax teilte der Gründer der Büdelsdorfer Telefonfirma seinem Partner Michel Bon in Paris mit, dass er wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten von einer Put-Option Gebrauch machen werde, die im gemeinsam unterschriebenen Kooperationsvertrag vereinbart sei. Laut diesem »Cooperation Framework Agreement« sei France Télécom (FT) nun verpflichtet, 33 Prozent der Mobilcom-Aktien aus Schmids Portfolio zu übernehmen.

Die Antwort aus Paris kam prompt. FT könne die Entscheidung nicht akzeptieren, teilte Bon wenige Stunden später seinem Kontrahenten mit. »In diesem Stadium« habe Schmid »kein Recht, die Put-Option auszuüben«.

Mit der schroffen Ablehnung aus Paris geht der seit Wochen andauernde Rosenkrieg zwischen den Partnern Bon und Schmid seinem Finale furioso entgegen. Innerhalb der kommenden drei Monate wird die endgültige Entscheidung fallen.

Im Kern geht es um viel Geld und die richtige Strategie für den Einstieg in die neue Mobilfunkära UMTS. Nachdem der hoch verschuldete Staatskonzern schon 7,3 Milliarden Mark für sein 28,5-Prozent-Paket an Mobilcom gezahlt und weitere 16,5 Milliarden Mark für die UMTS-Lizenz lockergemacht hat, will er nun die weiteren Investitionen ins Mobilfunknetz der Zukunft auf ein Minimum zusammenstreichen. Später will FT mit einem anderen Netzbetreiber zusammenarbeiten - auch wenn die Lizenzauflagen eine solche Fusion bisher nicht vorsehen.

Schmid dagegen hat ehrgeizige Solopläne. Er will Ende 2002 als erster Netzbetreiber mit UMTS starten und allein im laufenden Jahr noch 1,1 Milliarden Euro in die neue Technik investieren - ohne Zuwendungen aus Paris ist das nicht möglich.

Zwar hat sich Bon verpflichtet, genügend Geld für Mobilcom bereitzustellen, »um die UMTS-Aktivitäten in Gang zu setzen«. Doch die Franzosen sitzen am längeren Hebel und können eine Klage auf Vertragserfüllung in Ruhe abwarten.

Denn auch Mobilcom ist hoch verschuldet und muss allein bis Ende Juli einen Überbrückungskredit von 4,7 Milliarden Euro umschulden. Ohne konkrete Zusagen aus Frankreich werden die Banken nicht mitspielen und ihr Geld sofort zurückfordern. Dann, so warnen die Wirtschaftsprüfer der PwC Deutsche Revision AG im Mobilcom-Geschäftsbericht, sei »der Bestand der Gesellschaft gefährdet«.

Gewinnen kann Schmid, der Rambo aus Büdelsdorf, den Kampf deshalb nicht mehr. Für ihn geht es nur noch darum, möglichst viel Geld beim Verkauf seines Aktienpakets herauszuschlagen.

Das wissen auch die Franzosen. Alles, sagt FT-Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra, laufe auf eine Trennung hinaus. Es sei nur noch die Frage, »ob es eine freundliche oder eine schmutzige Scheidung wird«. KLAUS-PETER KERBUSK

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