Rote Zahlen Commerzbank streicht Boni und Dividende
Frankfurt am Main - Das Jahr 2008 ist für die Commerzbank schlecht gelaufen - und 2009 dürfte kaum besser werden. Konzernchef Martin Blessing stellt sich nach eigenen Angaben auf weitere Belastungen ein. 2009 werde nochmals ein schwieriges Jahr, erklärte er laut Unternehmensmitteilung. Die Risikovorsorge für faule Kredite müsse voraussichtlich erhöht werden.
Im vergangenen Jahr ist die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor Steuern stand ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche, teilte das Institut am Mittwochmorgen mit. 2007 hatte das Geldhaus noch ein positives Vorsteuerergebnis von 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Unter dem Strich schaffte das Institut 2008 nur dank einer Steuerrückerstattung einen Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Abschreibungen in Folge der Finanzkrise.
An der Börse herrschte trotz der miesen Zahlen Erleichterung - Händler hatten mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet. Die Commerzbank-Aktie schoss am Mittwochmorgen gut neun Prozent nach oben - bis zum Mittag büßten sie ihre Gewinne allerdings fast vollständig wieder ein.
Wegen des schlechten Ergebnisses zahlt die Commerzbank ihren Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern für das abgelaufene Jahr keinen Bonus. Laut Finanzchef Eric Strutz bekommen die Mitarbeiter nur eine individuelle Anerkennung für geleistete Mehrarbeit. Auch die Aktionäre gehen wie erwartet leer aus. Für das abgelaufene Jahr will das Institut keine Dividende ausschütten.
Strutz bedauerte, dass die Mitarbeiter trotz ihres Einsatzes keine Sondervergütung bekommen. Viele Abteilungen seien profitabel gewesen, viele Mitarbeiter hätten die erwarteten Leistungen erbracht. "Umso bedauerlicher ist es, dass das Ergebnis nicht für Bonuszahlungen ausreicht."
Laut Strutz gilt die Entscheidung für die Commerzbank AG und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften. Das heißt, dass auch die Dresdner Bank betroffen ist, die seit Anfang des Jahres zur Commerzbank gehört. Die Dresdner-Investmentbanker hatten für 2008 vom früheren Dresdner-Mutterkonzern Allianz noch einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro zugesagt bekommen, den die Commerzbank schon vor Wochen in Frage gestellt hatte. Mehrere Dresdner-Banker haben daraufhin gedroht, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen.
Für die Zukunft erarbeite die Commerzbank ein neues Anreiz- und Vergütungssystem, erklärte Strutz. Das neue Modell müsse in allen Geschäftsbereichen zur Leistungsfähigkeit passen und zugleich der Nachhaltigkeit gerecht werden.
Für das laufende Geschäftsjahr äußerte sich der Finanzchef skeptisch. "Wir werden weiter konjunkturelle Belastungen sehen." Erst 2010 werde sich die Lage bessern. Wegen der allgemeinen Krise rechnet die Commerzbank mit steigenden Kreditausfällen. Aus diesem Grund will sie ihre Rücklagen weiter erhöhen.
Vor allem in den letzten drei Monaten 2008 geriet die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Das Unternehmen wies einen Verlust von 809 Millionen Euro aus, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Gewinn von 201 Millionen erwirtschaftet worden war. "Das vierte Quartal war eines der schwersten der Commerzbank", sagte Vorstandssprecher Blessing. Vor allem das Immobiliengeschäft und das Investmentbanking setzten dem Institut zu.
Immerhin: Die Zahl der Privatkunden in Deutschland stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf mehr als sechs Millionen. Die Kundeneinlagen kletterten um 25 Prozent auf 101,1 Milliarden Euro.