Rover-Verkauf: Demonstration gegen BMW - DER SPIEGEL
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Rover-Verkauf Demonstration gegen BMW

Der Streit um den Ausstieg des Münchener Automobilkonzern BMW bei Rover geht weiter. Während Vorstandschef Joachim Milberg die Trennung von Rover als zwingend ansieht, gingen in der mittelenglischen Stadt Birmingham am Samstag rund 40.000 Menschen gegen die Verkaufspläne von BMW auf die Straße.
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Birmingham/München - Die Demonstranten machten ihrem Ärger mit Pfeifkonzerten Luft und forderten auf Transparenten den Fortbestand von Rover. "Rettet Rover", hieß es auf Plakaten, "Rettet uns!".

Durch den Verkauf an die Investorengruppe Alchemy sehen sie rund 4000 der 9000 Arbeitsplätze bei Rover und indirekt rund 50.000 Jobs in der Region gefährdet. Milberg sagte dem TV-Sender n-tv am Samstag einer redaktionellen Interviewfassung zufolge, BMW werde die Verluste durch Rover schon Ende 2000 verkraftet haben.

Die Marke BMW stehe hervorragend da und sei so stark wie nie zuvor, sagte Milberg dem Fernsehsender. Wenn der Verkaufserfolg des ersten Quartals der Marke BMW mit plus acht Prozent anhalte, könne BMW im laufenden Jahr bis zu 800.000 Fahrzeuge verkaufen. 1999 waren 756.000 Fahrzeuge der Marke BMW abgesetzt worden. Im ersten Quartal 2000 lag die Zahl nach Angaben des Konzerns bei 197.000.

Nach der Entlassung von drei Vorstandsmitgliedern im Zusammenhang mit dem Rover-Verkauf stehen nach Milbergs Worten neben der ausstehenden Besetzung des Vertriebsressorts keine personellen Änderungen mehr an. "Sonst wird nichts stattfinden", sagte der Konzernchef der Interview-Fassung zufolge.

Milberg verteidigte erneut die Rover-Veräußerung. Die Entscheidung sei unternehmerisch zwingend notwendig gewesen. Bis zuletzt habe der Konzern mit "großem Nachdruck die Rettung von Rover verfolgt". Die britische Regierung und weite Teile der britischen Öffentlichkeit hätten gewusst, wie kritisch die Situation bei Rover sei. Grund sei unter anderem, dass auch die Briten immer weniger Autos der Marke Rover gekauft hätten.

BMW hatte Mitte März bekannt gegeben, Rover an die britische Wagniskapitalgesellschaft Alchemy zu verkaufen. Die Geländewagensparte Land Rover soll an Ford gehen. In Folge des Rover-Debakels waren die Vorstandsmitglieder für Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb, Carl-Peter Forster, Wolfgang Ziebart und Henrich Heitmann, entlassen worden.

Zu dem dem Protestmarsch am mittelenglischen Rover-Produktionsstandort Longbridge hatten einige der mitgliederstärksten Gewerkschaften Großbritanniens aufgerufen. "Noch ist für Rover nicht alles vorbei", hieß es auf einem Spruchband. Die Handelskammer Birmingham berichtete, das Umsatzwachstum im Einzelhandel habe sich mittlerweile wegen der Unsicherheiten halbiert.

Die Verkaufspläne sind auch bei der britischen Regierung auf harsche Kritik gestoßen. Premierminister Tony Blair äußerte Sympathie für die Protestdemonstration. Er teile die Bedenken der Demonstranten, sagte er Parlamentsmitgliedern. Industrieminister Stephen Byers fordert von BMW, sich an den sozialen Folgekosten des Verkaufs zu beteiligen.

Unterdessen droht der britischen Autoindustrie ein neuer Rückschlag. Einem Bericht der "Financial Times" vom Samstag zufolge will der japanische Hersteller Honda seine Produktion in Großbritannien wegen des hohen Pfundkurses, des schwachen Absatzes in Europa sowie der Umstellung der Fertigungsmaschinen auf neue Modellreihen für einige Monate drosseln. Dadurch würden jedoch keine Arbeitsplätze gefährdet, teilte Honda dem Blatt zufolge mit. Honda wolle seine Mitarbeiter auf die neue, 450 Millionen Pfund teure Fertigungslinie mit Trainingsprogrammen vorbereiten.

Die Fertigungsanlage von Honda in Großbritannien war in der vergangenen Woche von der britischen Regierung noch als Erfolgsgeschichte britischer Automobilfertigung gelobt worden. Im vergangenen Jahr hatte Honda in Großbritannien 65.000 Autos und in Westeuropa rund 210.000 Wagen verkauft. In diesem Jahr will das Unternehmen den Absatz auf dem Kontinent auf 250.000 und im nächsten Jahr auf 300.000 Fahrzeuge steigern.

Auch BMW hatte die Probleme bei Rover maßgeblich auf die hohe Bewertung des britischen Pfundes an den Devisenmärkten zurückgeführt. Darunter litt der Export der Rover-Fahrzeuge. Zudem kämpft die Traditionsmarke mit einem Absatzrückgang in Großbritannien.

Für BMW bekräftigte Vorstandschef Milberg erneut den Willen zur Eigenständigkeit des Hauses. Weder das Unternehmen noch "ein Stückchen davon" ständen zum Verkauf. Der Konzern sei bei der Präsenz auf den Märkten, den Produktionsstandorten und der Vertriebsorganisation weltweit gut aufgestellt. Deshalb gebe es keinen Anlass für Allianzen beispielsweise nach dem Muster von DaimlerChrysler und dem japanischen Autohersteller Mitsubishi. DaimlerChrysler hatte zu Wochenbeginn bekannt gegeben, 34 Prozent von Mitsubishi Motors zu übernehmen. GM und Fiat hatten Mitte März eine Überkreuzbeteiligung beschlosssen.