Royal Dutch Shell: Verdacht auf neue Bilanztricks - DER SPIEGEL
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Royal Dutch Shell Verdacht auf neue Bilanztricks

Trotz des Rauswurfs von Konzernchef Watts hat Shell seine Krise noch nicht überwunden. Schon machen neue Gerüchte über Unregelmäßigkeiten bei Buchführung und Rechnungswesen die Runde.
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London - Eine interne Untersuchungskommission soll den britisch-niederländischen Aufsichtsrat über die Unklarheiten informiert haben, berichtete das "Wall Street Journal". Royal Dutch Shell wollte sich jedoch nicht zu den Vorgängen äußern. Auch die entlassenen Konzernmanager Philip Watts und Walter van de Vijver standen für einen Kommentar nicht zur Verfügung.

Die Kommission soll auf die Unstimmigkeiten gestoßen sein, als sie das Debakel um die Ölreserven des Konzerns untersuchte. Anfang Januar hatte Shell die Angaben über seine gesicherten Ölreserven korrigieren müssen: Die Vorräte sind ein Fünftel geringer als vom Konzern lange Zeit angenommen. Nach den neuen Berechnungen reichen die Reserven bei aktuellen Produktionszahlen daher nur weniger als elf Jahre und nicht, wie bisher angegeben, mehr als 13 Jahre.

Die Botschaft hatte dafür gesorgt, dass der Shell-Aktienkurs in den Keller stürzte und sich der Börsenwert des Unternehmens um mehr als 15 Milliarden Dollar verringerte. Für eine weitere Verschlechterung der Papiere sorgte ein unerwartet starker Ergebnisrückgang im letzten Quartal des vergangenen Jahres.

Shell hatte bisher immer versichert, die vor zwei Tagen entlassene Konzernleitung habe bei der fehlerhaften Berechnung der Ölreserven "in gutem Glauben" gehandelt. Ein Sprecher des Konzerns sagte gestern jedoch, dies könne er nicht mehr länger beschwören.

Die Pannen im System des Ölriesen wurden aufgedeckt, weil sich Shell seit den späten neunziger Jahren einer Neustrukturierung unterzieht und dabei einzelne Geschäftsbereiche genauer unter die Lupe nimmt. Bis zum vergangenen Jahr arbeiteten die einzelnen Sektoren weitgehend unabhängig vom Mutterhaus. Jetzt wird jedoch versucht, den Konzern neu zu strukturieren. 2002 legte Shell daher etwa 35 separate Förderungsstellen zu fünf Zentren zusammen.

Durch die neuerlichen Hiobsbotschaften kann der Nachfolger Watts' nicht unbelastet sein Amt antreten. Am Freitag will sich Jeroen van der Veer in einem Gespräch erstmals Analysten, Investoren und den Medien stellen. Die Ergebnisse der Untersuchungskommission sollen allerdings erst in ein paar Wochen vorliegen. Trotzdem wird van der Veer wohl nicht um eine Stellungnahme herumkommen.