RTL: Fernsehsender setzt aufs Internet - DER SPIEGEL
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RTL Fernsehsender setzt aufs Internet

Der Kölner TV-Sender RTL hat im vergangenen Jahr beim Gewinn und bei den Zuschauerzahlen ein Rekordergebnis eingefahren. Im Internet soll die Marke RTL zum führenden Anbieter von Inhalten ausgebaut werden.
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Köln - "Wir sind im achten Jahr in Folge Marktführer bei den 14- bis 49-Jährigen und konnten unsere Werbeeinnahmen um 11,8 Prozent steigern", sagte RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler. Beim Gesamtpublikum lag RTL im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 14,3 Prozent Marktanteil gleichauf mit der ARD. Das Unternehmen habe seinen Gewinn um 35 Prozent auf 497 Millionen Mark erhöhen können. Der Umsatz sei auf knapp 2,9 Milliarden Mark gestiegen.

Nach einem Einbruch bei den Werbeeinnahmen im Januar mit einem Minus von fünf Prozent haben sich die Einnahmen laut Zeiler im März wieder konsolidiert. Bei dem neu eröffneten Einkaufskanal "RTL Shop" werde bereits nach wenigen Wochen großes Kundeninteresse registriert, meinte Zeiler.

Quotenrenner im vergangenen Jahr seien die Quiz-Show "Wer wird Millionär?" (bis zu 13,8 Millionen Zuschauer pro Sendung), die Formel-1-Übertragungen (bis zu 14 Millionen) und die Skisprung-Wettbewerbe gewesen.

Die Programm-Investitionen sollen laut Zeiler im laufenden Jahr noch erhöht werden. Er widersprach damit Presseberichten über einen strengen Sparkurs, der dem Sender von dem Mutterunternehmen RTL Group verordnet worden sei. Teuerstes Projekt sei mit 15 Millionen Mark der historische Fernsehfilm "Sophie, Sissis kleine Schwester", der Anfang Mai ausgestrahlt werden soll. Auf das historische Genre setzt RTL zudem mit dem Film "Die Todespest" über den Schwarzen Tod in Köln.

Das Unternehmen wolle die Marke RTL im Internet zum führenden Anbieter von Inhalten ausbauen, sagte der für das Tochterunternehmen RTL New Media zuständige Geschäftsführer Hans Mahr. Die abgerufenen Seiten haben sich bei RTL World in einem Jahr auf 233,2 Millionen fast verzehnfacht. "Fernsehen ist kein Medium der Vergangenheit, es bleibt das Unterhaltungsmedium Nummer eins", ergänzte Zeiler. Aus diesem Grund werde der Sender in den Online-Bereich "sehr vorsichtig und überlegt investieren".

Derzeit werde eine Beteiligung an weiteren Spartenkanälen geprüft und die Planung für einen eigenen RTL-Nachrichtenkanal intensiv vorangetrieben, bestätigte Zeiler. Hartnäckig halten sich Gerüchte um eine Beteiligung von RTL an dem neu ausgerichteten Musikkanal Viva 2. "Musik ist grundsätzlich interessant für uns. Auch hier gilt wie bei allen anderen möglichen Beteiligungen: Hier können wir uns engagieren, müssen aber nicht", sagte der RTL-Geschäftsführer.

Er bestritt Berichte über Missstimmungen in der RTL-Senderfamilie. Branchendienste hatten gemeldet, dass sich Zeiler mit dem Geschäftsführer von RTL 2, Josef Andorfer, entzweit habe, weil man sich nicht über die Ausstrahlungsrechte an der inzwischen abgesetzten Soap "Der Club" einigen konnte. "Ich telefoniere durchaus noch mit Josef Andorfer", stellte Zeiler klar. Allerdings habe nicht alles, was in letzter Zeit bei RTL 2 passiert sei, seinen Gefallen gefunden.

Noch vor der Veröffentlichung der Zahlen für die RTL Group hatten die Analysten von Lehman Brothers ihre Bewertung "Underperformer" für die RTL-Papiere beibehalten. Zwar würden "ordentliche Zahlen" für das vergangene Jahr erwartet, aber die Aussichten für 2001 seien "doch sehr unsicher", hieß es. Zwei der größten Umsatzträger des europäischen Fernsehkonzerns litten derzeit unter starken Einbußen: Die Werbegelder im deutschen Fernsehen seien rückläufig, außerdem schrumpften die französischen Radio-Einschaltquoten. Lehman Brothers rieten deshalb zur Zurückhaltung.