RTL Group: Bertelsmann hat jetzt fast vollständige Kontrolle - DER SPIEGEL
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RTL Group Bertelsmann hat jetzt fast vollständige Kontrolle

Pearson zieht sich aus der RTL Group zurück. Wie die Bertelsmann AG bekannt gab, wechselte der 22-Prozent-Anteil der britischen Pearson plc an der RTL Group für 1,5 Milliarden Euro zu Bertelsmann.
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Gütersloh - Damit hat Bertelsmann jetzt fast die vollständige Kontrolle bei Europas führender Radio- und und TV-Holding RTL Group übernommen. Pearson hatte das Interesse an dem RTL-Investment in dem Moment verloren, als sich die beiden Großgesellschafter Bertelsmann (37 Prozent) und Groupe Bruxelles Lambert (GBL/30 Prozent) Anfang Februar dieses Jahres einigten. Die GBL tauschte ihren Anteil gegen 25 Prozent der Bertelsmann-Anteile. Damit gab es für Pearson keine Chance mehr, auf die weitere RTL-Entwicklung Einfluss zu nehmen.

Pearson brachte im April 2000 seine erfolgreiche TV-Tochter in die Fusion mit der CLT-Ufa ein. Daraus entstand der einzige europaweit agierende TV-, Radio- und Produktionskonzern mit stark expansiver Ausrichtung. RTL Group ist Marktführer sowohl im europäischen Fernseh- wie Radiogeschäft und stellt außerhalb der USA die größte TV-Produktionskraft dar.

Das zeitgleich bekannt gewordene Bertelsmann-Angebot an die freien Aktionäre, die Anteile zu 44 Euro zu kaufen, deutet darauf hin, dass die RTL Group zunächst vom Kurszettel der Londoner Börse verschwinden könnte. Hintergrund dieses Angebots dürfte der geplante Börsengang der Bertelsmann AG in zwei bis drei Jahren sein. Mit der RTL Group als Kern des Medienunternehmens mit starker Entertainment-Ausrichtung wäre der Börsengang nach Einschätzung von Analysten ungleich erfolgreicher.

Für Bertelsmann ist die RTL Group binnen weniger Jahre zum größten Umsatz- und Ertragsbringer geworden. Bekannt ist das Interesse von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, auf den US-Fernsehmarkt zu expandieren, wo ihm als Ausländer jedoch noch Gesetzeshürden im Weg stehen. Für alle künftigen Aktivitäten ist er mit der Übernahme der Pearson-Anteile gut gerüstet: Sie können strategisch als Akquisitionswährung eingesetzt werden. Und auch an Bargeld mangelt es nicht: Seit 2000 erzielte Bertelsmann aus Unternehmensverkäufen rund 16 Milliarden DM.