Rückschlag Fairchild Dornier verliert Milliarden-Auftrag
Oberpfaffenhofen - Eine Ausstiegsklausel im Vertrag ermöglicht dem Leasingunternehmen Gecas, einer Tochter des Mischkonzerns General Electric, den Rückzieher: Im Fall einer Insolvenz oder eines Besitzerwechsels bei Fairchild, heißt es in dem Vertrag, kann Gecas seinen Auftrag wieder kassieren.
So ist es nun geschehen, die Amerikaner wollen 150 Jets vom Typ 728 doch nicht mehr bei dem amerikanisch-deutschen Flugzeugunternehmen mit Deutschlandsitz in Oberpfaffenhofen kaufen. Laut "Financial Times Deutschland" hatte Gecas im Juni 2000 zunächst 50 Flugzeuge im Wert von rund 1,4 Milliarden Dollar bestellt. Zusammen mit einer Option für 100 Flugzeuge ergebe sich ein Geschäftsvolumen von etwa 4,2 Milliarden Dollar.
Die Leasinggesellschaft Gecas war größter Einzelkunde von Fairchild Dornier. Mit der Kündigung fällt die Hälfte der vormals 289 Aufträge für das neue Flugzeugmodell 728 weg. Weitere Stornierungen seien nicht bekannt, sagte der Sprecher des Unternehmens. Man gehe aber davon aus, dass es keine weiteren geben werde. Laut "Financial Times Deutschland" halten andere Kunden wie die Deutsche Lufthansa an ihrer Bestellung fest.
Dornier hofft nach Angaben des Sprechers, dass nach einer Rettung der Gesellschaft ein neuer Vertrag im gleichen Lieferumfang mit der GE-Tochter abgeschlossen werden könne. Gecas und Fairchild stünden weiterhin in regem Kontakt. Die neue 728 ist das wichtigste Projekt von Dornier.
Die Neuentwicklung 728 hatte vor kurzem ihren Roll-out und soll ab Mitte kommenden Jahres ausgeliefert werden. Das Flugzeug gilt in Branchenkreisen als äußerst ausgereift, jedoch vergleichsweise teuer. Die Lufthansa ist mit 60 Festbestellungen bisher der größte Kunde, allerdings hat sie mit 60 möglichen Folgeaufträgen weniger Optionen als Gecas. Den Stückpreis für einen 728 beziffert Fairchild mit rund 24 Millionen Dollar.
Die amerikanisch-deutsche Fairchild Dornier hatte Anfang April Insolvenz angemeldet, als die bisherigen Finanzierungen der Eigentümer und Banken nahezu aufgebraucht und der erhoffte Investor nicht gefunden war. Der vorläufige Insolvenzverwalter will sein Gutachten über die Eröffnung einer Insolvenz bis Mitte Juni dem Amtsgericht vorlegen. Inzwischen haben die Banken zumindest eine erste Rate von 20 Millionen Euro eines Massekredits in Höhe von insgesamt 90 Millionen bereitgestellt.
Nach aktuellen Informationen des "Handelsblattes" hat Fairchild wesentlich mehr Geld verbraucht als bisher bekannt. Neben der Versicherungsgruppe Allianz , die nach Angaben von Vorstand Paul Achleitner Ende vergangenen Jahres noch einmal 50 Millionen Euro nachgeschossen habe, lieferte auch der US-Anteilseigner Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) Ende Dezember 2001 weitere 80 Millionen Dollar Eigenkapital.