Rücktritt als EZB-Chef: Duisenberg löst sein Versprechen ein - DER SPIEGEL
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Rücktritt als EZB-Chef Duisenberg löst sein Versprechen ein

Nun tritt Wim Duisenberg doch vor dem Ende seiner regulären Amtszeit zurück. Der EZB-Präsident wird am 9. Juli 2003, seinem 68. Geburtstag, sein Amt als Notenbankchef aufgeben.
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Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte am Donnerstag mit, Duisenberg habe dies am Mittwoch dem spanischen Ministerpräsidenten und EU-Ratspräsidenten, José María Aznar, und dem Vorsitzenden des EU-Finanzministerrates, Rodrigo Rato, mitgeteilt. "In Anbetracht seines Alters will er nicht die volle Amtszeit von acht Jahren als Präsident der EZB erfüllen", sagte EZB-Sprecherin Regina Schüller zur Begründung. Duisenberg habe bereits im Mai 1998 erklärt, aus Altersgründen nicht bis zum Ende seiner Amtszeit 2006 im Amt zu bleiben.

Die Europäische Kommission hat nach den Worten eines Sprechers die Rücktrittserklärung "zur Kenntnis genommen". Zugleich ließ der Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes durchblicken, dass die EU-Behörde die frühzeitige Ankündigung Duisenbergs für ehrenvoll hält. "Er ist ein Mann, der seine persönliche Verpflichtung respektiert", sagte der Sprecher am Donnerstag in Brüssel.

Analysten zeigten sich überwiegend enttäuscht von der Mitteilung, da die frühe Rücktrittsankündigung die Glaubwürdigkeit der EZB berühre. "Das wirft einen Schatten auf die Unabhängigkeit der EZB, weil dadurch der Verdacht bestätigt wird, dass es eine Vereinbarung über die Länge der Amtszeit gegeben hat", sagte Thomas Mayer von Goldman Sachs in Frankfurt. Es sehe nicht so aus, als trete Duisenberg tatsächlich aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen zurück.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management in Frankfurt kritisierte den frühen Zeitpunkt der Ankündigung: "Das nährt den Verdacht, dass Duisenberg sich dem Druck der Franzosen gebeugt hat, die auf einen Nachfolger aus ihrem Lande spekulieren."

Um die Ernennung Duisenbergs im Mai 1998 hatte es heftige politische Auseinandersetzungen gegeben. Er galt als Wunschkandidat der damaligen Bundesregierung. Die französische Regierung, die ihren Notenbankchef Jean-Claude Trichet favorisiert hatte, stimmte erst zu, nachdem Duisenberg eine vage Erklärung abgegeben hatte, wonach er voraussichtlich nicht die gesamte Amtszeit von acht Jahren im Amt bleiben wolle.

Bei der Bestimmung des Nachfolgers hat auch die italienische Regierung ein Mitspracherecht reklamiert. Die Nachfolge von EZB-Präsident Wim Duisenberg müsse gemeinsam von den Regierungen der Euro-Zone getroffen werden, hieß es aus Kreisen des italienischen Finanzministeriums. Trichet werden die besten Aussichten für die Duisenberg-Nachfolge eingeräumt. Das deutsche und auch das französische Finanzministerium kommentierten die Ankündigung nicht.

Den Kurs des Euro beeinflusste die Ankündigung Duisenbergs kaum. Gegen 10.30 Uhr wurde die Gemeinschaftswährung für rund 0,8679/88 Dollar gehandelt, nachdem er im asiatischen Handel bei 0,8666 Dollar gelegen hatte.