Rückzug nach Europa Coca-Cola flieht aus Arabien
Bahrein/Athen - Offiziell ist Bahrein einer der wichtigsten Alliierten der USA in der Golfregion. Die fünfte Flotte der US-Marine ist dort stationiert, weitere Tausende Militärs koordinieren von dort die Truppenbewegungen.
Die Kritik an Amerika aber ist auch in Bahrein gewachsen: Schon 2002 demonstrierten die Bürger dort gegen Washingtons Außenpolitik. Im vergangenen Monat fuhr die US-Botschaft ihr Personal auf ein Minimum herunter.
Coke-Sprecher: "Es ist nicht, wie es scheint"
Der Coca-Cola -Konzern will seine Zentrale in Bahrein sogar komplett abbauen - und das, obwohl er sie erst im Jahr 1990 dort errichtet hat. Künftig soll das Nahost-Geschäft des Softdrink-Konzerns von Athen aus koordiniert werden, berichtet die Zeitung "Gulf News" aus dem Emirat Dubai. Bereits jetzt seien 28 Stellen in Bahrein abgebaut worden.
Ein Coca-Cola-Sprecher wehrte sich im Gespräch mit der Agentur AFP gegen den Eindruck, dass der Konzern sich aus politischen Gründen zurückzieht. Es handle sich um eine reine Management-Entscheidung, die nichts mit dem drohenden Irak-Krieg oder der wachsenden Amerika-Feindlichkeit in der arabischen Welt zu tun habe. Auch andere Standorte würden auf ähnliche Weise zentralisiert. Das Verkaufspersonal des Konzerns werde im Übrigen weiter vor Ort tätig bleiben.
Säfte statt Cola
Dem "Gulf News"-Bericht zufolge hat Coke aber schon in anderen Regionen der arabischen Welt zum Rückzug geblasen. Der Konzern verkaufte seine libanesischen Abfüllanlagen jüngst an eine Investorengruppe. Die erst im Jahr 2000 eröffnete Abfüllfabrik in Saudi-Arabien wiederum ist derzeit geschlossen, Mitarbeiter wurden entlassen. Offiziell teilt Coca-Cola mit, die Anlage werde lediglich umgerüstet. Künftig sollten dort verstärkt Säfte und Wasser abgefüllt werden.
Seit dem 11. September ist das Konkurrenz-Umfeld für Coke im Nahen und Mittleren Osten wesentlich schwieriger geworden. Mehrere Gruppen haben zum Boykott der US-Brause und anderer US-Produkte aufgerufen. "Islamische" Gegen-Colas wie Zamzam-Cola aus Iran oder Star Cola aus Palästina melden derweil wachsende Verkaufserfolge.