Rürup-Kommission Warten auf die Rente
Berlin - SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hat dafür plädiert, im Zuge der anstehenden Rentenreform das tatsächliche Renteneintrittsalter anzuheben. Damit wandte er sich gegen den Vorschlag der Rürup-Kommission, den gesetzlichen Rentenbeginn von 65 auf 67 Jahre zu erhöhen.
"Nach meiner Einschätzung würde eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters derzeit nicht viel bringen", sagte Müntefering in einem Interview der "Bild am Sonntag". "Das eigentliche Problem ist doch, dass die Leute nicht mit 65, sondern im Schnitt schon mit 59 oder 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den tatsächlichen Rentenbeginn heraufsetzen können, möglichst nah an 65 heran." Müntefering kündigte für Oktober ein rot-grünes Konzept für die Rentenreform an. Die Vorschläge der Rürup-Kommission, die am Donnerstag offiziell präsentiert werden sollen, würden bis dahin genau geprüft.
Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, zeigte sich skeptisch zur vorgeschlagenen Anhebung des gesetzlichen Rentenalters. "Vielmehr müsste ein Anreizsystem geschaffen werden, ältere Arbeitnehmer in Amt und Würden zu halten", sagte er der "Welt am Sonntag". Deshalb müsse der Renten-Abschlag bei der Frühverrentung von derzeit 3,6 Prozent pro Jahr progressiv steigen.
In einem Minderheitenvotum hatten sich bereits auch die Vertreter der Gewerkschaften in der Rürup-Kommission gegen die Vorschläge des Gremiums zur Rente gewandt - insbesondere gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters und den so genannten Nachhaltigkeitsfaktor, der den Anstieg der Renten bremsen soll.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte wie FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt eine Koppelung der Renten an die Beitragsjahre der Arbeitnehmer. Dies wäre ein "vertrauensbildendes Signal für den Generationenvertrag", sagte Wulff dem Magazin "Focus".
Die Rürup-Kommission zur Reform der Sozialsysteme hatte ihre Vorschläge für die Rente bereits im April präsentiert, die Berechnungen wurden nach Angaben aus der Kommission aber zwischenzeitlich aktualisiert. Am Donnerstag will die Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen.