Ruin-Ranking: Börsenschwindler, Seiltänzer, Hochstapler - DER SPIEGEL
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Ruin-Ranking Börsenschwindler, Seiltänzer, Hochstapler

Nick Leeson, Yasuo Hamanaka, Chen Jiulin, Peter Young - immer wieder haben vermeintliche Finanzgenies ihre Firmen an den Rand des Kollapses oder in die Pleite geführt: mit waghalsigen oder kriminellen Zockereien am Kapitalmarkt. SPIEGEL ONLINE zeigt die größten Geldverbrenner.
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4,9 Milliarden Euro - diese unfassbare hohe Summe kann die Société Générale wohl abschreiben. Der milliardenschwere Betrug eines einzelnen Händlers bringt eine der größten börsennotierten Banken Frankreichs ordentlich ins Schlingern. Damit nimmt der große Unbekannte - noch wurde kein Name offiziell bestätigt - den unrühmlichen Spitzenplatz in der Liste der größten Bankbetrüger aller Zeiten ein.

Seine Vorgänger waren allerdings nicht minder talentiert - lesen Sie auf SPIEGEL ONLINE die Geschichten der ruinösesten Geldvernichter.

Platz zwei - der heuchlerische Händler

Den bisherigen Spitzenplatz hatte Yasuo Hamanaka inne, ehemaliger Chef-Kupferhändler des japanischen Finanzriesen Sumitomo: Eigentlich war der 48-Jährige ein mustergültiger Angestellter, benahm sich bescheiden, unauffällig und verzichtete zehn Jahre lang auf seinen Urlaub. Im Nachhinein wird auch deutlich, wofür er die Zeit im Büro brauchte. Er manipulierte durch das Horten von Kupfervorräten den Markt für das Edelmetall - und setzte dabei zwei Milliarden Dollar in den Sand. Damit stellte der Vater zweier Kinder und Sohn eines hohen Polizeibeamten 1996 einen neuen Rekord im Geldversenken auf. Der Händler ging acht Jahre in Haft.

Platz drei - Spekulationsaffäre einer Managerin

Die Londoner Investmentbankerin Robin Saunders kam 1998 zur WestLB, ihre Einstellung war Teil der neuen Expansionsstrategie der öffentlich-rechtlichen Bank. Doch Beteiligungen an dem britischen Fernsehvermieter Boxclever und weitere Risikogeschäfte kosteten die WestLB rund 1,7 Milliarden Euro. Die WestLB geriet an den Rande der Liquidität und konnte nur durch eine Kapitalspritze der Eigentümer gerettet werden. Sanders und ihr damaliger Chef Jürgen Sengera mussten ihre Posten räumen.

Platz vier - Das Ausnahmetalent

Weniger kostspielig, dafür aber legendär, ist der Fall Nick Leeson, der 1996 die Traditionsbank Barings in den Abgrund riss: Anfangs galt er als Jungtalent mit Branchenstar-Potenzial - mit gerade mal 25 Jahren schickte Barings Leeson als Werpapierhändler nach Singapur, wo er an den asiatischen Terminmärkten zeitweise zehn Prozent der jährlichen Einnahmen der Bank eintrieb.

Doch dann verspekulierte sich Leeson mit Optionen auf den Nikkei-Index, anfangs mit kleineren Beträgen, später mit großen Summen. Frei von jeglicher Kontrolle versteckte er die Verluste in den Büchern - am Ende fehlten 1,2 Milliarden Dollar in den Abrechnungen. Die kleine Barings Bank verkraftete das Minus nicht und brach zusammen. Die anschließende spektakuläre Flucht vor der Polizei - zuvor heftete Leeson ein Post-it mit den Worten "Es tut mir leid" an den PC-Monitor - reichte sogar als Stoff für einen Kinofilm.

Nach vier Jahren Knast, einer Krebserkrankung und Scheidung hat sich Leeson längst resozialisiert - er managt heute den irischen Fußballclub Galway United und ist gern gesehener After-Dinner-Speaker in Bankenkreisen, mit einer Gage von angeblich 90.000 Euro pro Vortrag.

Platz fünf - Der Fälscher

Toshihide Iguchi riss 1995 die Daiwa Bank in New York in den Ruin: Ähnlich wie Leeson versteckte er kleinere Verluste in den Büchern - elf Jahre lang. 30.000 gefälschte Handelsbestätigungen sollen auf sein Konto gehen - 1,1 Milliarden Dollar fehlten der Bank am Ende, was den Vorgesetzten allerdings nur auffiel, weil Iguchu ihnen ein 30-seitiges Entschuldigungsdossier schickte.

Platz sechs - Der Biedermann

Vorstadt-Reihenhaus, Familienauto, Sonntags in der Kirche. Vermutlich hätte niemand John Rusnak, durchschnittlicher Devisenhändler der US-Tochter der Allied Irish Bank, einen Millionenbetrug zugetraut. Doch Buchprüfer entdeckten 2002 ein unerklärliches Finanzloch von 860 Millionen Dollar. Der Fall bewies erneut, dass selbst harte Kontrollmechanismen die betrügerische Energie einer Einzelperson offenbar nicht zähmen können.

Platz sieben - Der Kerosinkönig

Zu einem Politikum wurde der Fall Chen Jiulin - erstmals wurde ein hochrangiger Manager eines chinesischen Staatskonzerns festgenommen. Noch im Winter 2004 war Chen Jiulin ein gefeierter Top-Manager, gehörte zu den fünf Spitzenverdienern Singapurs und zu den 40 "Neuen Führungspersönlichkeiten Asiens", ausgewählt vom Weltwirtschaftsforum. Als CEO der China Aviation Oil Corp. versorgte er die gesamte Volksrepublik mit Flugbenzin. Dann aber begann das Unternehmen, mit Optionen auf einen fallenden Ölpreis zu wetten - eine fatale Entscheidung, der Ölpreis zog an. Am Ende stand die saftige Verlustbilanz von 550 Millionen Dollar. China Aviation Oil brach daraufhin zusammen.

Platz acht - Der Mann mit dem Doppelleben

Der Ex-Fondsmanager von Deutsche Morgan Grenfell, Peter Young, hat im Gegensatz zu seinen Hochstapler-Kollegen verhältnismäßig wenig Kapital verbrannt - nur 350 Millionen Dollar steckte Young bis 1996 auf Nimmerwiedersehen in fragwürdige Technologieunternehmen. Im Gedächtnis blieb Young aber eher wegen seines extravaganten Auftritts vor Gericht: Den London Magistrates Court betrat der Bankbetrüger in Frauenkleidern und Pumps - der Richter befand später, dass der Fondsmanager wegen Schizophrenie nicht verhandlungsfähig sei.