Rummel um den Super Bowl: Erektion zur Halbzeitpause - DER SPIEGEL
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Rummel um den Super Bowl Erektion zur Halbzeitpause

Am Sonntag findet der Super Bowl statt, das Endspiel der US-Football-Liga NFL. Das populärste Sportereignis der Welt ist zugleich das teuerste. Es geht nicht nur ums Spiel, sondern um Politkitsch und Werbekommerz.
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New York - Fast wäre es ein Nischensport geblieben, eine Abstell-Liga für alternde Athleten, belächelt selbst in den USA. Die Spieler verdienten anfangs kaum mehr als 5000 Dollar im Jahr, Eintrittskarten kosteten sechs Dollar. Die Tribünen waren leer.

So müde begann Mitte der sechziger Jahre der Wahnsinn des Profi-Footballs. Inzwischen ist der Super Bowl - das Endspiel der Football-Liga NFL, das am Sonntag zum 38. Mal stattfindet - ein Phänomen. Dieses Jahr kostet ein 30-Sekunden-Spot in den Werbepausen 2,25 Millionen Dollar. Weltweit sehen 100 Millionen TV-Zuschauern zu. "Würde Jesus heute leben", sagte der Kirchenmann Norman Peale, "wäre er wahrscheinlich beim Super Bowl."

Es begann als harmloser Werbetrick

Party all the time: In der Halbzeit heizte Gwen Stefani von No Doubt den Fans in San Diego kräftig ein

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Foto: REUTERS
Höhenflug: Tampa Bays Ken Dilger (M.) hebt im Qualcomm Stadium zu San Diego ab, nachdem ihn Oaklands Charles Woodson (l.) attackiert hat

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Foto: DPA
Aufs Kreuz gelegt: Buccaneer Greg Spires (unten) hat Oakland-Quarterback Rich Gannon erfolgreich gestoppt

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Foto: REUTERS
Einheizen vor dem Fest: Carlos Santana sorgte zusammen mit Beyonce Knowles (M.) und Michelle Branch schon vor dem Match für Stimmung

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Foto: AFP
Am Ziel aller Football-Träume: Tampa Bays Warren Sapp mit der heiß begehrten Vince-Lombardi-Trophäe

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Foto: EPA/DPA
Fest im Griff: Raiders Napolean Harris (r.) greift sich Tampa Bays Receiver Joe Jurevicius, nachdem dieser einen Pass gefangen hat

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Foto: EPA/DPA
Touchdown: Buccaneer Mike Alstott (M.) kämpft sich durch die Raiders-Defensive und erzielt ein sechs Punkte

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Foto: AFP
Alptraum eines Quarterbacksr: Oaklands Rich Gannon (l.) wird von Tampas Greg Spires zu Boden gerissen

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Foto: REUTERS
Düstere Aussichten für die kalifornischen Piraten: Oaklands Fans mussten zusehen, wie die Buccaneers ihr Team auseiandernahmen

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Foto: REUTERS
Der Siegesschrei: Die Fans der Tampa Bay Buccaneers hatten nach dem 48:21-Sieg allen Grund zum Feiern

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Foto: REUTERS
Das Spiel seines Lebens: Tampa Bays Quarterback Brad Johnson führte sein Team zum nie gefährdeten 48:21-Sieg gegen die Oakland Raiders

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Foto: AFP
Auf und davon: Oaklands Quarterback Rich Gannon kann den davoneilenden Dwight Smith von den Buccaneers nicht aufhalten

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Foto: AFP
Star Spangled Banner: The Dixie Chicks sangen vor dem 37. Super Bowl die Nationalhymne der USA

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Foto: AFP
Stolzes Amerika: Superstar Celine Dion sang vor dem Match "God Bless America"

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Foto: AFP
Jubel in der Wüste: Sergeant Dawayne Tate vom US Marine Corps feiert im Camp Commando in Kuweit den Sieg der Tampa Bay Buccaneers

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Foto: DPA
Der Star ist der Trainer: Bucs-Besitzer Malcolm Glazer (r.) holte Headcoach Jon Gruden von Oakland nach Tampa Bay

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Foto: DPA

Mit seinen Schlachtstrategien und seiner kommerziellen Gigantomanie ist der Super Bowl ein Spiegelbild Amerikas. Wenn im Reliant Stadium in Houston die New England Patriots und die Carolina Panthers aufeinander treffen - dann öffnet sich ein Fenster ins Innenleben der letzten Supermacht. Wer wissen will, wie die USA funktionieren, muss nur zuzusehen. Egal, ob er die Spielregeln versteht oder nicht.





Auch der Super Bowl 2003 war ein Spektakel. Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!



Geld war von Anfang an das Leitmotiv. 1966 hatte Pete Rozelle den Einfall, die zwei Profi-Ligen - die alte NFL und die American Football League (AFL) - zu fusionieren. Beide standen kurz vor der Pleite. Die Teams wurden neuen Unterligen ("Conferences") zugeordnet. Höhepunkt: der Super Bowl, das Endspiel der Ligameister. Es war eine verrückte Idee, nur hastig organisiert.

Schnell funkten die Wettbewerbshüter dazwischen. Die Fusion, einzige Überlebenschance, verstieß gegen das Monopolgesetz. So zogen die Footballer mit einer Lobby-Kampagne gen Washington. Sie verkauften den Abgeordneten im Parlament ihren maroden Sport als Konjunkturspritze und Mediensensation - damals eine gewagte Behauptung. Die trickreiche Intervention zweier Senatoren brachte den Erfolg: Beide versteckten eine Monopol-Ausnahmeregelung in einem Steuergesetz, das Präsident Lyndon Johnson am Herzen lag. Die Fusion wurde vollzogen.

Amerikanische Verdrängungskunst

Und die Rechung ging auf. In den Top Ten der meistgesehenen TV-Sendungen aller Zeiten finden sich nur Super-Bowl-Übertragungen - nichts anderes. Houston rechnet in diesem Jahr mit 100.000 Besuchern und einem wirtschaftlichen Gewinn von mindestens 300 Millionen Dollar. Insgesamt 62 der superteuren Werbespots sollen verkauft werden, ein historischer Rekord. Als Werbebunden dabei: Pepsi, Procter & Gamble - und die Hersteller der Erektionspillen Viagra, Cialis und Levitra.

Kritische Töne sind dabei nicht erwünscht. Dieses Jahr gab es großen Streit um einen witzigen Anti-Bush-Wahlkampfclip, den die Aktivistengruppe Moveon.org zeigen wollte. Sie wird vom Multimilliardär George Soros finanziert, einem der kapitalkräftigsten Bush-Gegner. Der Fernsehsender CBS lehnte die Ausstrahlung des Spots kategorisch ab. CBS ist übrigens eine Tochter des Viacom-Konzerns - und der wiederum ist emsiger Wahlkampfspender Bushs.

Selbst für die Wall Street hat der Super Bowl eine ganz eigene Bedeutung. Nicht nur als Werbe- und Wirtschaftshit, sondern auch wegen der "Super-Bowl-Theorie": Gewinnt ein Team der AFC-Division, sinkt der Dow Jones in dem Jahr; gewinnt ein NFC-Team, steigt er. In 30 von den bisher 36 Spielen traf das zu, etwa 2001, als dem Börsen-Crash ein Sieg der Baltimore Ravens (AFC) vorausging. Voriges Jahr siegten die Tampa Bay Bucaneers (NFC).

Hoffen wir diesmal also auf die Panthers - der Börsenkurse wegen.