Russischer Energiestreit: Kalter Krieg ums Gas - DER SPIEGEL
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Russischer Energiestreit Kalter Krieg ums Gas

Das wird in Washington und London schlecht ankommen: Russland verschärft den Druck auf westliche Energiemultis - und hat Shell die Lizenz für ein 20 Milliarden-Dollar-Projekt entzogen. Kritiker vermuten, dass der Kreml die Ausländer verschrecken will, damit heimische Konzerne zum Zug kommen.
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Moskau – Selbst Schönfärber in der Konzernzentrale bei Shell werden nicht behaupten können, dass das Projekt Sachalin-2 bisher ein Erfolg war. Das weltweit größte Flüssigerdgas-Vorhaben machte schon häufiger Negativ-Schlagzeilen. Bereits vor gut einem Jahr hatte der Konzern Spott geerntet, als er eingestehen musste, dass das Sachalin-Projekt 20 Milliarden Dollar kosten würde - doppelt so viel wie zunächst kalkuliert.

Und nun das: Das Rohstoffministerium hat Royal Dutch Shell   die umweltrechtliche Genehmigung für Vorhaben auf der Sachalin-Halbinsel im russischen Fernen Osten entzogen. Die Rücknahme wurde mit Umweltverstößen beim Bau von Überlandpipelines begründet. Das Ministerium folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die das Shell-Projekt am Wochenende als Verstoß gegen die russische Gesetzeslage bezeichnet hatte.

Noch ist das Projekt komplett in ausländischer Hand. Shell hält mit 55 Prozent derzeit die Führungsrolle, weitere 25 Prozent liegen bei den japanischen Unternehmen Mitsui   und 20 bei Mitsubishi  . Aus den Vorkommen vor der Küste von Sachalin sollen 17,3 Billionen Kubikmeter Erdgas und eine Milliarde Barrel (je 159 Liter) Rohöl gefördert werden. Seit längerem verhandelt das Konsortium mit dem russischen Erdgasmonopolisten Gasprom  , der einen Anteil von 25 Prozent übernehmen möchte.

Der Kreml hatte in den neunziger Jahren auf Grund russischer Geldknappheit das Recht zur Öl- und Gasförderung an ausländische Energiekonzerne abgetreten. Seitdem hat sich die Lage jedoch - nicht zuletzt wegen der Ölpreisexplosion - grundlegend geändert. Russland versucht nun, stärker von den eigenen Ressourcen zu profitieren.

Drohungen auch nach Texas - Kritik aus den USA

In Verträgen mit den internationalen Konzernen wurde festgeschrieben, dass die Unternehmen erst Steuern zahlen müssen, wenn die Gewinne die Höhe der Investitionen überschreiten. Die russische Regierung beklagt nun, die ausländischen Konzerne würden unverhältnismäßig hohe Investitionen geltend machen, womit dem Staat Einnahmeverluste in Höhe von zehn Milliarden Dollar drohten.

Moskau droht auch mit der Rücknahme von Fördergenehmigungen für Exxon Mobil   (USA) und Total   (Frankreich). Russische Experten vermuten, dass hinter dem Vorgehen Gasprom stehen könnte – der Konzern will auch bei der Ölförderung zu Russlands Nummer eins aufsteigen will.

Für Exxon Mobil geht es ebenfalls um Öl- und Gasfelder vor Sachalin, für Total um das Förderrecht am Ölfeld Charjaga in Westsibirien. In allen diesen Gebieten werde gegen den vereinbarten Investitionsplan verstoßen, daher könne die Genehmigung widerrufen werden, sagte der Leiter der Rechtsabteilung im Rohstoffministerium, Sergej Fjodorow, kazt Nachrichtenagentur Interfax.

Der Präsident des US-Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, hat Russland bei einem Besuch in Litauen davor gewarnt, seine Energiereserven als politische Waffe zu benutzen. Der Republikaner äußerte sich vor litauischen Parlamentariern. Auch US-Vizepräsident Dick Cheney hatte im Mai - ebenfalls bei einem Besuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius - scharfe Kritik an Russlands Energiepolitik geübt. Er hatte Moskau vorgeworfen, seine riesigen Energievorkommen zu nutzen, um seine Nachbarn zu erpressen.

itz/dpa-AFX/dpa