Russland Attentäter ermorden Notenbanker
Moskau - Die Männer lauerten Koslow vor dem Gelände des Sportklubs Spartak Moskau auf. Als der Manager nach dem Ende eines von seinen Mitarbeitern veranstalteten Fußballspiels den Verein verließ, eröffneten sie das Feuer. Während der Fahrer noch am Tatort seinen Verletzungen erlag, wurde Koslow mit schweren Schussverletzungen in Brust und Bauch ins Krankenhaus eingeliefert.
In einer Notoperation versuchten die Ärzte, dem Zentralbanker das Leben zu retten, doch alle Mühe war vergebens. Am frühen Morgen erlag auch Koslow seinen Verletzungen. Der 41-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Obwohl die Polizei unmittelbar nach dem Anschlag eine Großfahndung einleitete, blieb die Suche bislang ohne Erfolg. In Ermittlungskreisen heißt es, es werde von einem Auftragsmord ausgegangen. Koslow ist verantwortlich für die Bankenaufsicht der Zentralbank. Offiziell legen sich die Ermittlungsbehörden weniger fest: "Wir ermitteln in alle Richtungen - Beruf, Privatleben, Verwechslung seiner Person", sagte der Moskauer Oberstaatsanwalt Juri Sjomin Interfax zufolge. Die Polizei nahm zunächst nicht weiter Stellung.
Koslow hatte als erster Stellvertreter von Zentralbankchef Sergej Ignatjew für die Transparenz des russischen Bankensektors gekämpft. Wegen Geldwäscheverdachts hatte er allein in diesem Jahr 33 Banken die Lizenz entziehen lassen. Außerdem hatte er sich für ein lebenslanges Berufsverbot derjenigen Bankiers ausgesprochen, die Geldwäsche betrieben haben.
Auch als Verbraucherschützer machte sich Koslow einen Namen. Das System der Einlagenversicherungen, dass einfache Bürger vor dem Bankrott ihres Finanzunternehmens schützen sollte, wurde unter seiner Ägide ins Leben gerufen. Koslow wählte die Banken, die an diesem System teilnehmen durften, sorgfältig aus. Schwarze Schafe duldete er nicht. Insofern war die Teilnahme am System der Einlagenversicherungen auch ein Gütezeichen.
Sein Vorschlag, das Bankgeheimnis einzuschränken, löste allerdings auch bei den Abgeordneten der Duma heftige Kontroversen aus. Beobachter schätzen, dass seine Gesetzesinitiative trotz seines großen Ansehens bei den Abgeordneten kaum Chancen auf Erfolg haben wird. Diese dürften nach dem Tod Koslows nun gen Null sinken.
In der Duma reagierte man auf die Nachricht vom Tod Koslows mit großer Betroffenheit: Koslow hatte eine prinzipielle und feste Position bei der Auswahl der Banken, die in das System der Einlagenversicherungen eintreten durften, er kämpfte für die Säuberung des Bankensystems. Vielen gefiel diese harte Haltung nicht. Er hatte Feinde", sagte der Chef des Duma-Bankenkomitees Anatoli Aksakow. Das Attentat sei aber auch ein Schlag gegen das Bankensystem, da er aktiv mit der Bankenwelt zusammengearbeitet habe.
Auch die Regierung verurteilte das Attentat scharf. Premier Michail Fradkow wurde noch am Abend über den Anschlag auf Koslow informiert. Sein Stellvertreter Alexander Schukow bezeichnete den Überfall als dreistes Verbrechen: Ich hoffe, dass die Sicherheitsorgane schnell für Aufklärung sorgen und die Schuldigen mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden, sagte Schukow.
mik/ Russland-Aktuell