Russland: Bankmanager in Moskau erschossen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Russland Bankmanager in Moskau erschossen

Vergangenen Monat wurde der russische Vize-Zentralbankchef Andrei Koslow ermordet - vor wenigen Tagen die Journalistin Anna Politkowskaja. Nun ist in Moskau ein Bankmanager erschossen worden. Das Opfer war Leiter einer Filiale des zweitgrößten Finanzhauses Wneschtorgbank.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Moskau - Offensichtlich handelte es sich um einen Auftragsmord, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. "Der Angreifer wartete auf der Treppe auf sein Opfer. Der Mörder schoss ihm in den Kopf. Wir werden alle möglichen Motive für die Tat prüfen", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Banker Alexander Plochin sei am Dienstagabend in einem Appartementhaus in einem Vorort getötet worden.

Das Büro der Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, es werde geprüft, ob die Tat im Zusammenhang mit der Arbeit des Managers stehe. Die Bank erklärte, eng mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Die Abteilung des 58-Jährigen war eingerichtet worden, um der Nachfrage im Privatkundengeschäft und der Kreditvergabe nachzukommen. Die Wneschtorgbank plant einen Börsengang. Derzeit befindet sie sich in Staatsbesitz.

Finanzinstitut ist Außenhandels- und Beteiligungsbank

Die Wneschtorgbank gilt als zweitgrößtes Kreditinstitut des Landes und ist de facto die staatliche Außenhandels- und Beteiligungsbank Russlands. Sie verfügt über Repräsentanzen in Frankfurt, Paris und Luxemburg. Zuletzt hatte sich das Institut am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit 5,02 Prozent beteiligt.

In jüngster Zeit wurden in Moskau mehrfach offenbar gezielt Morde im Zusammenhang mit der Arbeit der Opfer verübt. Erst im vergangenen Monat wurde die russische Finanzwelt durch den Mord an dem stellvertretenden Zentralbankchef Andrei Koslow erschüttert.

Am Samstag war die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja erschossen worden. Der tschetschenische Regierungschef Ramsan Kadyrow bestritt, für den Mord verantwortlich zu sein. Er töte keine Frauen, sagte Kadyrow am Mittwoch dem Fernsehsender NTW. Die Täter hätten sich zum Ziel gesetzt, auf diese Weise seinen Namen zu beschmutzen.

Auch im Fall Politkowskaja geht die Staatsanwaltschaft von einem Auftragsmord aus. Zuletzt hatte die 48-Jährige an einer Geschichte über Folter in Tschetschenien gearbeitet. In ihren Artikeln hatte Politkowskaja Kadyrow für brutale Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

tim/Reuters/AP

Mehr lesen über