Russland Gasprom rückt vom Dollar ab
Hamburg - "Wir denken im Ernst daran, unsere Ressourcen für Rubel zu verkaufen", sagte Vize-Chef Alexander Medwedew der Moskauer Zeitung "Nesawissimaja Gaseta". Finanz-Chef Andrej Kruglow ergänzte, dass "das früher oder später geschehen wird".
Die russischen Nachrichtenagenturen Ria Novosti und Interfax berichteten ebenfalls, der Gas-Gigant könne seine Rechnungen bald wieder in Rubel ausstellen. Gegenwärtig verkauft Gasprom seine Produkte in Dollar und Euro.
Sergej Prawossudow, Direktor des Instituts für nationale Energiewirtschaft, zeigte sich skeptisch: Er habe keine Vorstellung, wie bei den Verrechnungen für Gas und Erdöl zu Rubel übergegangen werden könne, sagte er der Agentur Ria Novosti.
Die langfristigen Gaslieferverträge seien bereits unterzeichnet, könnten also derzeit nicht geändert werden. "Wahrscheinlich kann die Rede nur von künftigen Vereinbarungen sein", vermutet Prawossudow, "aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg." Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht.
Timur Chairullin, Chefanalyst der Gesellschaft Entente-Capital, rechtfertigte Gasproms Erwägungen mit dem Verfall des Dollars. Seit 2002 sei der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro beinahe um 40 Prozent gefallen. "Die Hauptpartner und -kunden von Gasprom befinden sich in Europa, das führt zu einer entsprechenden Einnahmesenkung bei dem Konzern", sagte er. Allerdings, räumte er ein, wäre "der Übergang zu Verrechnungen in Euro logischer".
Der Übergang zum Rubel sei außerdem problematisch: Die Nachfrage nach der russischen Währung würde steigen, das Inflationstempo ebenso. Das könne die Konkurrenzfähigkeit der russischen Wirtschaft drastisch reduzieren.
ssu