RWE Machtkampf um den Chef-Posten
Essen - Friedel Neuber, Vorsitzender des RWE-Aufsichtsrats und Ex-Chef der WestLB, steht unter Druck: Die Wahl seines Lieblingskandidaten für den RWE-Chefposten ist offenbar weitaus weniger sicher, als Neuber lieb sein kann. Neben Neubers Protegé, dem Shell-Manager Harry Roels, soll sich auch RWE-Entwicklungschef Richard Klein um die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Kuhnt bewerben, schreibt die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf nicht genannte Aufsichtsratskreise.
Im Zentrum des Machtpokers stehen drei Parteien: Die Allianz, Gewerkschaften sowie die Kommunen, die über 36 Prozent der Anteile halten. Roels gilt in der Branche als Kandidat des Großaktionärs Allianz. Der Versicherungskonzern wolle einen Chef, der den Energiekonzern auf Rentabilität und Shareholder-Value trimmt. Roels könnte nach Angaben des "Handelsblatts" die Aufgabe zukommen, den traditionell großen Einfluss von Politik und Kommunen bei RWE einzudämmen. Dies könnte den Wert der Allianz-Beteiligung steigern. Hintergrund: Der Versicherer hat wiederholt angekündigt, sich von seinen Industriebeteiligungen trennen zu wollen. Treibt Roels den RWE-Aktienkurs nach oben, stünde die Allianz als Profiteur da.
Im Aufsichtsrat sitzen laut "Financial Times Deutschland" vier Roels-Gegner, die diese Strategie torpedieren könnten: Der Dortmunder Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer und drei Verdi-Funktionäre. Diese machten sich für Klein stark, schreibt das Blatt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bevorzugen einen Kandidaten, der keinen allzu harten Sparkurs plant. Die Kommunen hingegen sind wegen der leeren öffentlichen Kassen an einer üppigen Dividende interessiert - Roels aber könnte die Ausschüttungen herunterfahren.
Bei einer Präsentation am vergangenen Wochenende soll Roels seine Kritiker nicht vollständig überzeugt haben. Hinter den Kulissen soll Neuber nun eifrig versuchen, Gegner von dem Qualitäten des Niederländers zu überzeugen, so die "FTD".
Mit Roels als Vorstandsvorsitzendem würde zum ersten Mal in der RWE-Firmengeschichte ein Ausländer den größten deutschen Stromkonzern führen. "Das kommt einer Kulturrevolution gleich", sagte der Essener Energiewirtschaftler Dieter Schmitt dem "Handelsblatt". Der 53-jährige Roels gilt als hoch qualifizierter Energieexperte, der sich in 30 Jahren bei Royal Dutch/Shell vom Trainee zur Nummer drei des Konzerns hochgearbeitet hat. Seit 1999 ist er als Managing Director unter anderem für die Bereiche Strom und Gas verantwortlich. Schon Anfang des Jahres entschloss er sich, seinen Job zum 30. Juni zu verlassen.