RWE Milder Winter bremst Gewinnanstieg - ein wenig
Düsseldorf - Die Zuwächse des ersten Quartals ließen sich jedoch nicht auf das Gesamtjahr fortschreiben, betonte das Unternehmen auf der heutigen Bilanzpressekonferenz unter Hinweis auf Risiken durch die staatliche Regulierung. Der nach E.on zweitgrößte deutsche Versorger bekräftigte seine Prognosen für das laufende Jahr: Das Betriebsergebnis soll den Vorjahreswert von 6,1 Milliarden Euro um zehn Prozent übertreffen.
Von Januar bis Ende März steigerte RWE den Umsatz nur leicht auf gut 13 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis schoss jedoch um 35 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro in die Höhe. Damit übertraf RWE die Erwartungen von Analysten um 500 Millionen Euro.
Ertragsperle war die Kraftwerkssparte RWE Power, die ihren Betriebsgewinn um die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro steigerte. "Ein wesentlicher Effekt waren höhere Preise für Strommengen, die wir bereits in Vorjahren auf Termin verkauft hatten", erläuterte RWE. Der Konzern verkauft den größten Teil seines Stroms vorab. Für 2007 hat RWE bereits mehr als 95 Prozent seiner Kapazitäten veräußert.
Einbußen musste die Vertriebs- und Netzgesellschaft RWE Energy verkraften, deren Betriebsergebnis um drei Prozent auf 981 Millionen Euro zurückging. Grund seien die staatlich angeordnete Senkung der Netzgebühren und der geringere Absatz wegen des milden Winters. Der Gasabsatz sank um 18 Prozent.
Zahlen besser als erwartet
"Die Zahlen sind insgesamt deutlich besser ausgefallen als erwartet", sagte Sal.-Oppenheim-Analyst Matthias Heck. "Es gibt aber politische Unsicherheiten, weshalb RWE die Zuwächse im ersten Quartal nicht auf das Gesamtjahr fortschreibt." RWE-Finanzchef Rolf Pohlig schloss nicht aus, dass die Prognose noch angehoben wird. "Man mag die Schlussfolgerung ziehen, dass wir einen konservativen Ausblick gegeben haben", sagte er.
Konzerne wie RWE und E.on stehen zunehmend unter dem Druck der Politik, ihre Preise zu senken und mehr für den Klimaschutz zu tun. RWE erwartet nach eigenen Angaben durch die niedrigeren Netzgebühren im laufenden Jahr Einbußen von 500 Millionen Euro. Die Kosten für Verschmutzungsrechte zum CO2-Ausstoß würden mit "deutlich mehr als 100 Millionen Euro" zu Buche schlagen, sagte Pohlig. Zudem ist dem Unternehmen die Verschärfung des Kartellrechts ein Dorn im Auge. Danach sollen den Konzernen Preise verboten werden, die als ungerechtfertigt eingestuft werden. RWE kündigte an, nach den Anhebungen zum Anfang des Jahres die Strompreise bei den Regionalversorgern im Juli nicht erneut zu erhöhen.
Der Essener Konzern bekräftigte heute auch, keinerlei Anzeichen für eine Übernahme durch den französischen Energieriesen EdF zu haben. Ein Radiobericht über einen Vorstoß der Franzosen hatte den Kurs der RWE-Aktie am Freitag in die Höhe getrieben.
mik/Reuters