RWE Strom wird noch einmal teurer
Essen - Dietmar Kuhnt hatte auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz als RWE-Chef allen Anlass, sich selbst zu loben. Weil das Geschäft mit Strom wieder rund läuft, sind die Gewinne insgesamt merklich gestiegen. Im Geschäftsfeld Elektrizität erhöhte sich das betriebliche Ergebnis im ersten Halbjahr um stattliche 46 Prozent. Unternehmensweit wuchs das betriebliche Ergebnis deutlich langsamer um 8,7 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte um 3,5 Prozent auf 27,7 Milliarden. "Nach dem drastischen Preisverfall in den ersten Jahren nach der Liberalisierung ist unser deutsches Stromgeschäft wieder ganz auf Ertragswachstum eingestellt", sagte der Kuhnt, der sein Amt im Frühjahr 2003 aus Altersgründen an den Shell-Manager Harry Roels übergeben wird.
Dafür, dass der Preisverfall gestoppt ist, ist RWE selbst mit verantwortlich. Der Konzern, der schon zu Jahresbeginn die Preise für Haushaltskunden um fünf Prozent erhöht hat, plant bereits die nächste Preisrunde für Privat- und Großabnehmer. Vorstandsmitglied Manfred Remmel begründete Entscheidung, die erneut ab Januar in Kraft treten soll, mit den Tarifabschlüssen, gestiegenen Einkaufskosten und der Ökosteuer. Gegenwärtig lägen die Einkaufspreise für Strom um rund drei Prozent über denen vom März. Wie stark RWE an der Preisschraube drehen wird, sei noch unklar. Obendrein müssten die Behörden der Anhebung noch zustimmen.
Neben der Stabilisierung der Preise profitierte die RWE-Stromsparte vor allem von internen Kostensenkungen und einer Reform der Vertriebspolitik. Konzernweit standen leichten Gewinnen in den übrigen Kerngeschäftsfeldern Gas, Wasser und Umweltdienstleistungen deutliche Einbußen von rund 46 Prozent im Nicht-Kerngeschäft gegenüber. Zum diesen als nicht mehr zentral definierten Sparten gehörten im Berichtszeitraum noch die inzwischen verkaufte Mineralöltochter Dea, Deutschlands größter Baukonzern Hochtief und die Heidelberger Druckmaschinen. Bis Ende 2003 will sich RWE von diesen Bereichen komplett trennen.