Sabena-Pleite Konkurrenten greifen zu
Brüssel - Die Lufthansa kündigte nach dem Sabena-Konkurs an, ihren Flugplan zu überarbeiten und die Verbindungen nach Brüssel dauerhaft aufzustocken. Details zur weiteren Vergrößerung der Kapazitäten könnten vorerst nicht gemacht werden, hieß es in der Mitteilung. Bis zum Wochenende müsse je nach Abfertigungssituation in Brüssel spontan entschieden werden.
Branchenexperten erwarten, dass die Konkurrenten einen Großteil des Geschäfts von Sabena, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro auswies, unter sich aufteilen werden. "Vermutlich werden Air France und KLM den größten Anteil bekommen", sagte Gert Zonneveld, Analyst der WestLB. Beide Fluglinien würden vor allem bei Langstreckenflügen von der geringen Entfernung zwischen ihren Heimatflughäfen und Brüssel profitieren. Dagegen werde Lufthansa vor allem bei Kurzstreckenflügen nach Deutschland neue Kunden gewinnen können.
Die niederländische KLM hatte nach eigenen Angaben schon in den vergangenen Wochen mehr Fluggäste aus dem benachbarten Belgien bekommen. Die finanziellen Auswirkungen seien aber minimal, sagte ein KLM-Sprecher. Auch WestLB-Analyst Zonneveld erwartet keine großen finanziellen Vorteile für die Wettbewerber. Angesichts des europaweiten Einbruchs der Passagierzahlen sei der Kapazitätsabbau zwar begrüßenswert. Doch auch ohne Sabena sehe sich die Branche noch gewaltigen Problemen gegenüber.
Die belgische Regierung versucht derzeit, einen Teil des Fluggeschäfts in die Delta Air Transport (DAT) hinüberzuretten. Wie Ministerpräsident Guy Verhofstadt mitteilte, hat die Regierung für den Aufbau einer neuen Fluglinie von Banken und Investoren eine Summe von 200 Millionen Euro eingesammelt. Die Regierung - bislang Mehrheitsaktionär der Sabena - werde an der neuen Gesellschaft allerdings keine Anteile halten, kündigte Verhofstadt an.
Sabena habe vor dem Konkursantrag der Fluglinie die Übertragung der Start- und Landegenehmigungen (Slots) für die Flughäfen in Belgien und Deutschland auf DAT beantragt, bestätigten der Vizepräsident Strategie des Brüsseler Flughafens, Herman Neukermans, und der Flugplankoordinator für Deutschland, Claus Ulrich. "Wir haben dem Wunsch von Sabena und DAT entsprochen, und ich gehe davon aus, dass die Flüge zum Teil so weitergeführt werden", ergänzte Ulrich. Angesichts der 22 Verbindungen allein nach München, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf sprach Ulrich von einem "fühlbaren Einschnitt".
Als Modell für die Übertragung der Flugrechte gilt der Transfer von 52 Swissair-Verbindungen auf die schweizerische Regionallinie Crossair nach dem Zusammenbruch der Muttergesellschaft Swissair. Swissair ist wiederum mit 49,5 Prozent an Sabena beteiligt. Nachfolgegesellschaften wie die von Swissair und möglicherweise von Sabena haben ihre Bewährungsproben nach Ansicht von Analysten allerdings noch vor sich. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass DAT einen erheblichen Marktanteil bekommen werde, sagte Zonneveld. An der Börse profitierte zunächst die Konkurrenz: Lufthansa-Aktien legten um 11,28 Prozent auf 13,02 Euro zu, KLM um 8,67 Prozent auf 10,15 Euro und Air France um 2,36 Prozent auf 13,00 Euro.