Sachsenring Insolvenz beim alten Trabi-Fabrikanten
Chemnitz/Zwickau - Der seit Tagen erwartete Insolvenzantrag sei beim zuständigen Amtsgericht Chemnitz gestellt worden, teilte das Unternehmen aus Zwickau am Mittag mit. Dem Antrag seien Verhandlungen mit den Hauptgläubigern, Dresdner Bank und Commerzbank, sowie dem Freistaat Sachsen vorausgegangen, die ihre volle Unterstützung für einen Insolvenzplan zugesichert hätten. Dieser sehe vor, dass die Gesellschaft fortbesteht und die Geschäfte weitergeführt werden. Das Unternehmen soll nach Gesprächen mit den Hauptgläubigerbanken einen Massekredit erhalten.
Der Vorstandsvorsitzende Ulf Rittinghaus, der seit 1993 an der Spitze des Konzerns stand, habe den Aufsichtsrat um seine Abberufung gebeten und wolle damit die Verantwortung für die Notlage des Unternehmens übernehmen. Die für den 6. Juni geplante Hauptversammlung werde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Investitionen weiter geplant
Wie der einstige Trabi-Hersteller mitteilte, sind die Tochtergesellschaften NAW Nutzfahrzeuge, Sachsenring Tatry, Sachsenring East und Sachsenring Fahrzeugbau Bremen (vormals Trasco), vom Antrag auf ein Insolvenzplanverfahren nicht betroffen. Die Sachsenring-Aktie wurde vor der Pflichtveröffentlichung vom Handel ausgesetzt. Zuletzt war der Penny-Stock um 15,79 Prozent auf 0,88 Euro gestiegen.
Sachsenring verfügt nach eigenen Angaben über einen soliden Auftragsbestand. In den vergangenen Monaten hatte der Autozulieferer neue Projekte abgeschlossen, die "zunächst nicht vollständig finanzierbare Investitionen ausgelöst haben". Der vom Vorstand vorgelegte vorläufige Insolvenzplan ermögliche es, die kurz- bis mittelfristigen Investitionen in Höhe von elf Millionen Euro durchzuführen.
Sachsen und Sauerländer
Der Name Sachsenring ist nicht nur wegen der gleichnamigen Rennstrecke zwischen Chemnitz und Zwickau ein traditionsreicher Begriff. Für die sächsische Autoindustrie gewann er nach dem Zweiten Weltkrieg Bedeutung: Zunächst entstand aus dem ehemaligen Horch-Werk in Zwickau der Volkseigene Betrieb (VEB) Sachsenring, aus dem ehemaligen Audi-Werk in derselben Stadt wurde der VEB Automobilwerke Zwickau. Beide Unternehmen wurden 1958 zum VEB Sachsenring Automobilwerke zusammengelegt.
Seitdem ist der Name eng mit Zwickau und der DDR-Autoproduktion verbunden: Von 1957 an liefen hier der Pkw P 50 sowie das Nachfolgermodell "Trabant" vom Band. Der DDR-Volkswagen Trabi wurde bis 1990 mehr als drei Millionen Mal gebaut. Als nach der Wende die Nachfrage nach dem "Plastebomber" rapide abnahm, wurde der alte Sachsenring-Betrieb liquidiert. 1993 sicherten sich die beiden sauerländischen Brüder Ulf und Ernst Wilhelm Rittinghaus Namens- und Patentrechte und gründeten die Sachsenring Automobiltechnik als Autozulieferer neu.