Ferienhäuser Samt Loddels
Auf einer House-warming-party ließ Viersterne-Nato-General Johannes Steinhoff Champagnerpfropfen knallen und stieß mit dem deutschen Konsul von. Malaga, Hans Hoffmann, »auf gute Nachbarschaft« an.
Der oberste Nato-Soldat, der zum 1. April nächsten Jahres in den Ruhestand tritt, hat sich für 88 000 Mark ein neues -- privates -- Hauptquartier zugelegt: eine komfortable Eigentumswohnung in einer der schönsten Apartmentburgen an der Costa del Sol, dem Coronado-Hochhaus. Für Europas größte Auslands-Immobiliengesellschaft, die Stuttgarter Contraecta AG, wurde der General zum vorerst letzten »prominenten Kunden des Jahres«, denn an der Auslandsimmobilienbörse herrscht nach einer langen Schönwetterperiode Baisse.
Zwei Jahre lang stand der Ferienhausmarkt in Hochblüte. Vier Milliarden Mark gaben deutsche Bundesbürger seit 1960 für einen zweiten Wohnsitz im Ausland aus, davon ein Drittel allein 1971/72.
Im vergangenen Jahr erreichte die Haus-Hausse ihren Höhepunkt Zu Tausenden flogen Immobiliengrossisten mit betuchten Deutschen an die spanischen Küsten, auf die Balearen und die Kanarischen Inseln.
Ein Vertreter der Immobilienfirma Contigrund Gesellschaft für Grundbesitz mbH holte sich sogar Kunden vom Strich und veranstaltete 1972 mit zwei Dutzend Kölner Prostituierten samt Loddels einen Spezialtrip.
Eine LTU-Chartermaschine transportierte die bunte Gesellschaft auf die Kanaren. Dort, an der Costa Dorada de Tenerife, ließen die Damen sich nieder -- und kauften für 3,5 Millionen Mark Bungalows und Luxuswohnungen.
Doch diese Invasion »bauwütiger Spitzenverdiener, Mittelständler und Rentner, die von einem sonnigen Lebensabend am Mittelmeer träumen, ist ins Stocken geraten: Während deutsche Bundesbürger im vergangenen Jahr 677 Millionen Mark in spanischen Betonklötzen, Bungalows und Wohnwaben anlegten, gaben sie in den letzten neun Monaten nur noch etwa 75 Millionen Mark für ein Zweitdomizil im Lande Francos aus.
»Mit gesättigter Nachfrage auf dem übersetzten Markt der Betonsilos«, erkannte Contracta-Gründer Rudolf Ratzel, »endet ein Anlagephänomen, das beispiellos in der Nachkriegsgeschichte ist.«
Sein Nachfolger Gert Schmid hingegen rechnet fest mit besseren Zeiten: »Wer zur Zeit über flüssige Mittel verfügt, leiht sie als Festgeld zu elf und mehr Prozent aus. Für Immobilien interessieren sich die cleveren Leute erst wieder, wenn die Zinsen sinken.«
Als Schmid die bisherigen Umsätze seiner Gesellschaft (laut Selbstdarstellung »Marktführer« in der Branche) vor der letzten Aufsichtsratssitzung addierte, kamen knappe 65 Millionen Mark zusammen. Und auch die verbleibenden Monate machen die Bilanz nicht erfreulicher. Die Contracta, die in den vergangenen Jahren mehr als 16 000 Häuser und Appartements in acht Ländern verkaufte, rechnet mit insgesamt 90 Millionen Mark -- 17 Millionen weniger als 1972.
Die Flaute schlug besonders im spanischen Süden durch, in den Ballungsgebieten des Massentourismus um Torremolinos. wo der iberische Baulöwentrust Sofico und andere Immobilienkonzerne Urlaubsgettos im Manhattan-Stil hochzogen. Ehemalige Fischerdörfer wie Benalmadena-Costa und Fuengirola ersticken inzwischen unter der Betonlast 25- bis 30stöckiger Wohntürme.
Obwohl die Contracta bei derlei Landschaftspflege nicht mitspielte, sitzen die Stuttgarter auf Grundstücken sowie angefangenen oder fertigen Häusern im Werte von 30 Millionen Mark. Um einen Preisrutsch zu vermeiden, sollen diese Reserven nur ganz vorsichtig zu Geld gemacht werden.
In seiner Marktstrategie freilich hat Contracta-Chef Schmid längst umdisponiert. »Bis 1971/72 machten wir 70 Mit Megaphon.
Prozent des Umsatzes allein in Spanien. Jetzt begnügen wir uns dort wie in Italien mit 30 Prozent. Das Schwergewicht liegt an der französischen Mittelmeerküste.
Anspruchsvolle Contracta- Kunden werden deshalb vorzugsweise auf die Halbinsel Camarat verbracht. Denn dort in der Nähe von St. Tropez wächst auf 26 Hektar Parkgelände die Nobelsiedlung Croix Valmer mit eigenem Strand, vier Tennisplätzen, einer Tennisschule, Sportplätzen für Boule und Volleyball, Klubhaus, Ladenpassage und beheiztem Schwimmbad.
Die aufgelockerte Bauweise müssen die Käufer allerdings mit stolzen Preisen honorieren. Der kleinste Chalettyp in Croix Valmer (63 Quadratmeter Wohnfläche, 130 Quadratmeter Grundstück und Miteigentum an allen Gemeinschaftsanlagen) kostet 130 000 Mark, ein repräsentatives Landhaus (135 Quadratmeter Wohnfläche. 520 Quadratmeter Grundstück) 287 000 Mark. ein mittelgroßes Appartement 79 000 Mark.
Doch konnte sich die Contraeta über mangelndes Interesse für ihr südfranzösisches Angebot. das immerhin 65 Prozent teurer ist als ähnliche Objekte in Spanien, nicht beklagenMit dem Slogan »Ihr zweites Heim bei St. Tropez« mobilisierten die Stuttgarter Häuslebauer in kurzer Zeit so viele zahlungskräftige Käufer. daß sie nach vier Besichtigungsflügen den ersten Bauabschnitt ausverkauft und 12,5 Millionen Mark kassiert hatten.
Auf jeder Reise preist Contracta-Chef Schmid seine Objekte selbst per Megaphon an. Denn hinter ihm steht einer, der Erfolg sehen will: Arthur G. Cohen, 43. Chef des amerikanischen Mischkonzerns Arlen Realty & Development Corporation, die seit Januar 88 Prozent der Contracta-Aktien besitzt.
Cohen. 1.83 Meter groß und 200 Millionen Dollar schwer, ist anspruchsvoll. Sein Konzern macht mit 51 Warenhäusern, 156 Einkaufszentren. 14 Büropalästen. mehreren Bauunternehmen und Urbanisationsfirmen rund 800 Millionen Dollar Umsatz und baut zur Zeit in North Miami eine Satellitenstadt für 55 000 Einwohner.
Auch in Europa will Cohen es wissen. Er drängte seinen Schmid, in Griechenland ein selbst für Contracta-Verhältnisse gigantisches Großprojekt hochzuziehen.
Den Hang ihres höchsten Chefs für die Hellenen erklären Contracta-Manager mit einem anderen Engagement Cohens. Gemeinsam mit dem Tanker-Tycoon Aristoteles Onassis baut der Griechenfreund an New Yorks Fifth Avenue einen 50stöckigen Wolkenkratzer, den »Olympic Tower«.
Auch in Griechenland könnten die beiden gemeinsame Sache machen. So fragte Onassis unlängst Contracta-Schmid: »Welche griechische Insel wollen Sie haben?« Und Cohens Kompagnon gab dem Stuttgarter auch eine schriftliche Empfehlung an die Athener Regierung mit.
Doch Schmid hält sich zurück: »Wir wollen erst einmal unsere Objekte in Spanien verkaufen. Damit haben wir sicher noch lange zu tun.«