Sanierungsplan TUI will bis zu 4000 weitere Stellen streichen
Hamburg - Der TUI-Vorstand gibt einem Bericht zufolge dem massiven Drängen von Finanzinvestoren nach und streicht in der Touristik 3500 bis 4000 Stellen. Einen entsprechenden Sanierungsplan soll der Aufsichtsrat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) am kommenden Donnerstag genehmigen. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) sollen die Kosten in der Touristiksparte bis 2008 um mehr als 200 Millionen Euro sinken.
Die meisten Jobs würden im Ausland wegfallen, vor allem in Großbritannien und Frankreich. Aber auch in der Konzernzentrale in Hannover müssten nochmals "sehr viele hundert" Jobs, aber wohl weniger als tausend, eingespart werden, schreibt die "SZ".
TUI wollte sich vor der Aufsichtsratssitzung nicht dazu äußern und nannte die Zahlen Spekulation. Der Konzern hat seit 2003 bereits etwa 6000 Stellen gestrichen, davon 2000 in Großbritannien und 2000 bei der übernommenen kanadisch-britischen Rederei CP Ships. Weitere Details, etwa ob es zu Kündigungen kommen wird, seien noch nicht bekannt, heißt es.
Der anstehende Mitarbeiterabbau ist nach Angaben der "SZ" nur ein Teil des Sanierungspakets, das der TUI-Vorstandsvorsitzende Frenzel den Aufsehern präsentiert und am kommenden Freitag der Öffentlichkeit mitteilen wird. Dem Bericht zufolge will er die von Investoren heftig kritisierte "Zwei-Säulen-Strategie" mit den Sparten Touristik und Schifffahrt allerdings zunächst beibehalten. Mehrere Großinvestoren hatten bereits im Oktober Frenzel ultimativ zur Aufspaltung des Konzerns aufgefordert. In einem Thesenpapier hieß es damals, das Management müsse "einen Zeitplan bekannt geben für die Aufspaltung in Tourismus und Schifffahrt in sechs bis 18 Monaten". Das Papier wurde an TUI-Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder verschickt.
Schon Monate vor dieser Eskalation setzten Investoren Frenzel unter Druck und fordern seither eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften für die Touristik und die Schifffahrt, weil sie darin einen höheren Wert vermuten. Die Börse bewertet den gesamten Konzern nur noch mit knapp vier Milliarden Euro. Diesen Wert messen Unternehmenskenner aber schon allein der Schifffahrts-Tochter Hapag-Lloyd zu.
Analysten rechnen mit Ergebniskorrektur nach unten
Laut "SZ" wird Frenzel auch die mittelfristige Ertragsplanung des Konzerns korrigieren. Bisher sollte das Ergebnis (Ebita) bis 2008 in der Touristik auf 650 Millionen Euro und in der Schifffahrt auf 700 Millionen Euro verdoppelt werden. Die Sanierung der Touristik und die unerwartet stark einbrechenden Raten in der Containerschifffahrt haben die Planung aber durchkreuzt. Die Analysten der Warburg-Bank rechnen für 2006 bereits mit erheblichen Ergebnisbelastungen aus der Restrukturierung und massiven Goodwill-Abschreibungen, so dass 2006 und möglicherweise auch 2007 ein Konzernverlust entstehen könnte.
Der TUI-Konzern beschäftigt derzeit 61.840 Mitarbeiter, davon 52.550 im Geschäftsfeld Touristik. In Hannover arbeiten insgesamt 4550 Beschäftigte, einschließlich der Fluglinien, IT, Callcenter und Vertrieb. TUI Deutschland hat wiederum 1672 Mitarbeiter und die Holding 449.
Gestern hatte der Konzern mitgeteilt, dass im Rahmen seines Programms zur Effizienzverbesserung die Zentralen der TUI AG und der TUI Deutschland am Standort Hannover zusammengeführt werden. Dazu werde derzeit ein neues Standortkonzept erarbeitet. Über die Zusammenlegungspläne werde der Aufsichtsrat am 14. Dezember entscheiden. Derzeit arbeiten die Mitarbeiter der Konzernzentrale und der TUI-Deutschland-Zentrale in zwei unterschiedlichen Gebäuden.
kaz/dpa-AFX/ddp