SAP Aktie nach Quartalszahlen im Sturzflug
Walldorf - Der Softwarehersteller SAP hat im dritten Quartal 2001 trotz eines deutlich gestiegenen Umsatzes ein Ergebnis unter den Erwartungen der Analysten erzielt. Die Aktie fiel daraufhin ins Bodenlose: Zwischenzeitlich lag sie mehr als 17 Prozent im Minus. Der Walldorfer Konzern gab am Donnerstag bekannt, das Konzernergebnis sei im dritten Quartal um 55 Prozent auf 37 Millionen Euro zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte SAP noch 83 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz stieg dagegen um 16 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro an. Für das Gesamtjahr erwartet SAP nun, dass der Umsatz um 15 Prozent wächst. Bislang hatte SAP einen Umsatzanstieg um mehr als 20 Prozent erwartet. Mehrere Marktbeobachter, darunter die Investmentbank Goldman Sachs, hatten bereits vor einiger Zeit kritisiert, dass SAPs bisherige Prognose angesichts des schlechten wirtschaftlichen Umfelds unrealistisch sei.
Peinliche Zahlenhuberei in der Pflichtmitteilung
Das miese Quartalsergebnis ist SAP verständlicherweise unangenehm. Deshalb versucht der Walldorfer Konzern in seiner Pflichtmitteilung, das wahre Ausmaß des Ergebnisrückgangs zu verschleiern: Die Ad-hoc-Meldung, die mit der Überschrift "SAP steigert Umsatz in den ersten neun Monaten um 23 Prozent" daherkommt, versucht, das magere Ergebnis etwas aufzuhübschen. So hat die Investor-Relations-Abteilung von SAP das Konzernergebnis um "die akquisitionsbezogenen Aufwendungen für den Erwerb von TopTier und den Einfluss der Commerce One-Transaktion" - also um Posten, die das Ergebnis schmälern - "bereinigt", um eine höhere und damit vorteilhaftere Zahl von 78 Millionen Euro präsentieren zu können. Unter Verwendung der strikten amerikanischen Bilanzregeln (US-GAAP), die SAP für seine Jahresabschlüsse verwendet, ist das Konzernergebnis nicht einmal halb so hoch. Ähnlich verfährt SAP auch beim operativen Ergebnis. Hier rechnen die Walldorfer nicht nur die Akquisitionskosten heraus, sondern lassen auch noch die Kosten für die Mitarbeiterbonusprogramme STAR und LTI verschwinden. Damit ergibt sich ein operatives Ergebnis von 201 Millionen Euro - das klingt natürlich deutlich besser als das nach US-GAAP zu bilanzierende Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 159 Millionen Euro.