SAP-Berater: Könige des IT-Arbeitsmarkts - DER SPIEGEL
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SAP-Berater Könige des IT-Arbeitsmarkts

Von Headhuntern umschwärmt, von Firmen fürstlich bezahlt: Wer als SAP-Berater den Job wechseln will, kann sich über Mangel an Angeboten nicht beschweren.
Von Peter Ilg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ellwangen - Tobias Rudolph kennt sich heute schon bestens aus mit der Technologie von morgen. Das macht ihn auf dem Arbeitsmarkt so begehrt. Vor zwei Jahren beschloss er, sich intensiver mit Netweaver zu beschäftigen, einem Produkt von SAP  . Er suchte sich eine Arbeit, die ihm das ermöglichte, und baute im Laufe der Zeit ein üppiges, SAP  -spezifisches Know-how auf.

Der Lohn: Rudolph bekommt inzwischen pro Woche ein bis zwei Anrufe von Headhuntern, die ihn abwerben wollen. Eines der Angebote nahm er jüngst an. Bei einem großen Generika-Hersteller ist Rudolph nun weltweit für die Einführung einer Netweaver-Komponente zuständig.

Es waren gar nicht primär höhere Bezüge, die den 33-Jährigen lockten – sondern die Verantwortung und die Konditionen der neuen Stelle. Nach der Roll-out-Phase wird Rudolph die meiste Zeit im Büro sein, das wollte er so. "Heute hier, morgen dort, das geht ganz schön an die Substanz", sagt der 33-Jährige. Für ihn ist der Wechsel eine Investition in die Zukunft. Aber: "Mir ist bewusst, dass man als SAP-Berater sehr, sehr gut verdienen kann."

Das weiß auch Werner von Beyer nur zu gut: Er war es, der Rudolph die neuen Stelle verschaffte. Von Beyer arbeitet in Nürnberg für die Personalberatung Oprandi, die Suche nach SAP-Beratern ist sein Job. Und der gleicht derzeit oft der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. "Wechselwillige SAP-Berater zu finden, ist derzeit eine schwierige Aufgabe", sagt von Beyer. Die Spezialisten gehören zu den begehrtesten Fachkräften auf dem IT-Arbeitsmarkt.

Im Schnitt 61.000 Euro im Jahr

Gut 200 SAP-Berater suchen derzeit allein die Headhunter von Oprandi. Nicht selten möchte ein einzelner Arbeitgeber gleich 30 oder 40 SAP-Berater unterschiedlicher Profile anheuern. Besonders gefragt sind die Experten für Netweaver, ein Produkt für den wachsenden Bereich service-orientierter Architekturen (SOA). Bei SOA geht es darum, die bislang verschlossene IT-Welt zu öffnen, unabhängig vom Hersteller und Produkt zu machen.

Aber auch Experten für alle anderen SAP-Module sind gefragt. Es ist vor allem die Integration der einzelnen betriebswirtschaftlichen Anwendungen untereinander, die SAP beliebt und den Walldorfer Konzern zum Marktführer bei Unternehmenssoftware gemacht hat. Und je mehr Programme SAP verkauft, umso mehr Berater werden gebraucht.

Das Beratungshaus Capgemini will in diesem Jahr zwischen 150 und 200 neue SAP-Berater einstellen. Die Anfragen beim Personaldienstleister Adecco zeigen, dass auch dort die Kunden verstärkt SAP-Spezialisten suchen. "Sämtliche SAP-Skills, quer über alle Module hinweg, sind hoch begehrt", weiß Karl Trageiser, Geschäftsführer vom Gulp, einem Portal für IT-Projekte.

Dank der hohen Nachfrage sind auch die Gehälter beträchtlich. Wie viel die gesuchten Fachleute bekommen, zeigt eine Vergütungsstudie der Beratung Personalmarkt. Danach verdient ein SAP-Berater im Schnitt 61.000 Euro jährlich. Mit Personalverantwortung steigt das Einkommen schnell auf 90.000 Euro.

SAP-Berater ist keine geschützte Berufsbezeichnung, deshalb gibt es auch keine Standardausbildung. Besonders begehrt ist naturgemäß eine Ausbildung bei SAP selbst. Das Unternehmen aus Walldorf sucht allein in Deutschland 200 Hochschulabsolventen, die zu Beratern ausgebildet werden sollen.

Zeitungsanzeigen bringen wenig

"Während eines Trainee-Programmes lernen die Teilnehmer nicht nur unsere Module sondern auch Management-Skills kennen", verspricht Steffen Laick, Leiter des Personalmarketings bei SAP. Aufgrund ihrer soliden Ausbildung stehen die Kräfte mit Walldorfer Hintergrund auf der Wunschliste der Firmen und Headhunter ganz oben.

In der Tat verlassen viele der ausgebildeten Berater hinterher SAP und wechseln mit der Zeit auf die Kundenseite. Im Beratungsgeschäft ist die Fluktuation bei SAP mit einer Quote von 15 Prozent ähnlich hoch wie etwa bei McKinsey. "Diese Fluktuation ist für das Business aber ganz gut", sagt Laick. Schließlich brauche man deutlich mehr Indianer als Häuptlinge - auch um die Tagessätze für die Beratung im bezahlbaren Rahmen zu halten.

Wer per Zeitung nach SAP-Experten sucht, habe meistens wenig Erfolg, sagt Headhunter von Beyer. Und Stellenanzeigen auf den Firmenwebsites seien meist so versteckt, "dass die Interessenten sie oft nicht finden". Die Vermittlungserfolge des Personalberaters jedenfalls beruhen zu 70 Prozent auf der Direktansprache von Kandidaten. Er sagt: "SAP-Berater haben es gar nicht nötig, sich durch Hunderte von Stellenangeboten zu wühlen."