SAP Ergebnis-Coup löst Kaufrausch aus
Walldorf - Zu solchen Kommentaren ließen sich Börsen-Händler schon lange nicht mehr hinreißen. "Das ist der Knaller", sagte ein Händler als er die Zahlen des Walldorfer Software-Konzerns SAP sah. "Das sind Bombenzahlen", lautete der kurze Kommentar eines anderen Marktteilnehmers.
Den Grund für die Euphorie lieferten vorab veröffentlichten Zahlen von SAP. Danach lag der Umsatz mit verkauften Softwarelizenzen zwischen Juli und September bei rund 430 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 435 Millionen Euro, im zweiten Quartal 431 Millionen Euro. Analysten hatten im Durchschnitt nur mit 370 bis 380 Millionen Euro gerechnet. Der Konzernumsatz im dritten Quartal lag bei ungefähr 1,65 Milliarden Euro, gegenüber 1,702 Milliarden im Vorjahr und übertraf damit die Prognosen der meisten Analysten ebenfalls.
"Das ist sehr positiv, der Markt ist richtig euphorisch", sagte Postbank-Händler Norbert Pütz. "Da stürzen sich jetzt alle drauf", erklärte ein anderer Aktienhändler.
"Dass die Zahlen gut eine Woche früher als angekündigt bekannt gegeben werden, ist schon eine Überraschung", meinte eine Händlerin. Die Aktie sei zwar jüngst gut gelaufen, mit einer derart positiven Entwicklung habe jedoch kaum ein Teilnehmer gerechnet.
Verkaufserfolge erzielten die Walldorfer vor allem in den USA. Ob der höhere Umsatz auf den Verkauf von mehr Lizenzen oder auf einen höheren durchschnittlichen Verkaufspreis bei den einzelnen Verträgen zurückzuführen sind, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu klären, sagte ein SAP-Sprecher am Mittwoch.
Jedenfalls habe sich die Erwartung erfüllt, dass sich der Umsatzeinbruch im Juni in den Folgemonaten ausgleichen ließ. Die geplante feindliche Übernahme des SAP-Konkurrenten Peoplesoft durch Oracle hatte viele Kunden verunsichert und für große Kaufzurückhaltung gesorgt.
Eine Entscheidung über eine Änderung der Prognosen für das Geschäftsjahr 2003 sei noch nicht gefallen, teilte SAP ergänzend mit. Erst im Juli hatte der Konzern seine Renditeerwartungen für dieses Jahr leicht nach oben korrigiert. Die als Erfolgsmaßstab geltende bereinigte operative Rendite könne bis zu 24,2 Prozent erreichen, hatte Vorstandschef Kagermann damals gesagt. 2002 waren es 22,7 Prozent. Die vollständigen Zahlen für das abgelaufene Quartal will der Konzern am 16. Oktober nennen. Im zweiten Quartal lag die operative Rendite bereits bei 24 Prozent, in den letzten drei Monaten des Jahres steigt sie in der Regel stark an.