SAP Erster Entlassungsschub der Konzerngeschichte
Walldorf - Bei der amerikanische SAP-Gesellschaft würden rund 300 der 4200 Stellen wegfallen. Das sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Wann die Arbeitsplätze abgebaut würden, sagte der Sprecher nicht. Dem FTD-Bericht zufolge sollen die Stellen größtenteils durch Kündigungen abgebaut werden.
Bei SAP hatte es noch nie Entlassungen in nennenswerter Zahl gegeben. SAP habe bereits eines seiner Service-Center im texanischen Austin mit 75 Mitarbeitern geschlossen, sagte der SAP-Sprecher. 50 Angestellte hätten das Angebot erhalten, in ein anderes der insgesamt sieben bis acht US-Call-Center des Softwareanbieters zu wechseln.
Gerüchte, wonach SAP die bereits beim Bericht über das dritte Quartal nach unten revidierte Gesamtjahresplanung verfehlen könnte, wies der Sprecher zurück. Die korrigierten Planzahlen besäßen weiterhin Gültigkeit. Sie sehen ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro sowie eine Marge beim operativen Ergebnis von rund 20 Prozent vor.
Die FTD schreibt hingegen, in einer internen E-Mail habe SAP-Finanzvorstand Werner Brandt eine Ursache für die Probleme des Konzerns erläutert: "Wir haben festgestellt, dass Unternehmen ihre Entscheidungen für den Kauf von Software deutlich nach hinten in das Jahr 2002 hinein verschieben", zitiert das Blatt aus dem Schreiben. Es lasse vermuten, dass es für SAP schwierig werde, die bereits im Oktober revidierte Gewinnprognose für 2001 halten.
Der Finanzvorstand habe zudem einen härteren Sparkurs im Konzern angekündigt: "Alle Länder und alle Unternehmensfunktionen müssen Maßnahmen einführen, um die variablen Ausgaben im vierten Quartal 2001 um 50 Prozent zu kürzen", heiße es in dem Schreiben. Er habe einen generellen Einstellungsstopp erlassen: "Sämtliche Personalrekrutierungen, darunter auch Replacement, müssen verschoben werden." Ausnahmen müsse der Vorstand genehmigen. Die Beschlüsse seien obligatorisch, um die Prognose für 2001 zu erfüllen. Dadurch solle vermieden werden, dass der Vorstand "drastischere Maßnahmen" ergreifen müsse.
SAP-Chef Hasso Plattner bestätigte im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unterdessen die starke Zurückhaltung seiner Kunden bei Investitionen in Informationstechnologie. Vor allem Luftfahrtgesellschaften und Flugzeughersteller, beide große Kunden von SAP, kürzen Investitionen. Nach dem 11. September sei das Software-Neugeschäft eingebrochen. Diesen Einbruch hole SAP im vierten Quartal noch nicht wieder auf.